14.05.2010 | Redakteur: Harry Jacob
Für 5,8 Milliarden US-Dollar (rund 4,6 Millionen Euro) will SAP den amerikanischen Datenbankanbieter Sybase übernehmen. Die kalifornische Software-Schmiede soll auch das Mobile-Geschäft beflügeln.
Zur CeBIT 2009 hatten Sybase und SAP ihre Partnerschaft bekanntgegeben und erste mobile Geschäftsanwendungen aus dieser Zusammenarbeit vorgestellt: Sybase Mobile Sales for SAP CRM sowie Sybase Mobile Workflow for SAP Business Suite, jeweils für iPhone und Windows-Mobile-basierende Smartphones.
Ein Jahr später hat die neue Doppelspitze von SAP, Bill McDermott und Jim Hagemann Snabe, unmittelbar nach Amtsantritt die Verhandlungen über einen Kauf des Kooperationspartners aufgenommen. Das war noch keine vier Wochen, nachdem SAP den glücklosen CEO Léo Apotheker vor die Tür gesetzt hatte. Nach gut zwei Monaten konnten die Verhandlungen nun erfolgreich zum Abschluss gebracht werden.
„Wir wollen sicherstellen, dass unsere Anwendungen von jedem wichtigen mobilen Endgerät aus genutzt werden können“, begründete Jim Hagemann Snabe, einer der beiden Vorstands-Chefs von SAP, die geplante Übernahme. Und Kollege Bill McDermott assistiert: „Mobile Anwendungen sind die größte nächste Wachstumswelle im Enterprise-Computing. Heute nutzen 1,8 Milliarden Menschen weltweit mobile Geschäftsanwendungen. In den nächsten Jahren kommen 1,4 Milliarden hinzu.“
Sybase kann in diesem Geschäftsfeld wichtiges Know-how für SAP bereitstellen. Zwar ist der Walldorfer Software-Konzern selbst in einer Partnerschaft mit dem Blackberry-Hersteller Research in Motion (RIM). Sybase ist jedoch schon weiter, und auch breiter aufgestellt: iPhone, Blackberry und Windows Mobile haben die Kalifornier bereits im Programm.
Doch auch auf einem anderen Feld macht die Verbindung Sinn: SAP stärkt sich in Sachen Datenbank-Anwendungen. Dies kann als Konter gegen Wettbewerber Oracle gesehen werden. Der ursprünglich reine Datenbank-Anbieter ist den umgekehrten Weg gegangen und hat sich im Bereich Anwendungs-Software für Unternehmen mit zahlreichen Zukäufen gestärkt, darunter Peoplesoft inklusive JD Edwards, Siebel und Hyperion. Oracle hatte in den vergangenen Jahren um die 40 Milliarden Dollar in Akquisitionen investiert und konnte so SAP massiv unter Druck setzen.
Nun schlagen die Walldorfer zurück. Ihre Kunden setzten bislang zum größten Teil auf Oracle-Datenbanken, und die Alternativen für die Top-1000-Konzerne sind rar. Die Open-Source-Alternative MySQL wurde erst von Sun übernommen, das ganze Paket dann wiederum von Oracle. Microsoft bietet seinen SQL-Server auf und kann ebenfalls mit ERP-Software an. Dann mischt IBM noch mit DB2 im Datenbank-Markt mit, hat aber weniger die Business-Anwendungen im Fokus als die Middleware zum Management der IT-Infrastrukturen. Mit einem eigenen Datenbank-Angebot könnte SAP nun seinerseits daran arbeiten, bei den eigenen Kunden die Oracle-Produkte zu ersetzen, anstatt darauf zu warten, dass Oracle die Datenbank-Nutzer für seine Business-Software wirbt.
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