Rettungsbudget für Speicherchip-Hersteller im »Silicon Saxony« gesprengt

Qimonda stellt Insolvenzantrag

23.01.2009 | Redakteur: Stefan Riedl

Qimonda musste Insolvenzantrag stellen.

Die Mitarbeiter haben die Nachricht zuerst aus dem Internet erfahren: Qimonda stellt Insolvenzantrag beim Amtsgericht München, nachdem weiterer Finanzierungsbedarf bekannt wurde.

Der Rettungsplan für Qimonda ist nicht aufgegangen. Der strauchelnde Speicherchiphersteller habe beim Amtsgericht München Insolvenzantrag gestellt, bestätigte das Unternehmen.

Rundmail von den Chefs

Ein Mitarbeiter des Unternehmens, der namentlich nicht genannt werden will, schilderte, dass Qimonda-Angestellte vom Gang zum Insolvenzgericht zunächst aus der Online-Presse erfahren haben. Inzwischen haben die Qimonda-Vorstände Kin Wah Loh und Thomas Seifert eine Rundmail an die Mitarbeiter verschickt. In dieser heißt es, dass sich an den bestehenden Arbeitsverhältnissen zunächst nichts ändern wird. Eine der ersten Maßnahmen des vom Amtsgericht bestellten vorläufigen Insolvenzverwalters werde es sein, eine Vorfinanzierung des Insolvenzgeldes zu erwirken, damit die Angestellten zeitnah Lohn- und Gehaltszahlungen erhalten.

Insolvenz als Chance

Der Vorstand von Qimonda will nun wichtige Unternehmensteile im Rahmen der Insolvenz sanieren. »Das deutsche Insolvenzrecht bietet die Chance, unseren bereits begonnenen Restrukturierungsprozess zu beschleunigen und das Unternehmen wieder auf eine solide Basis zu stellen«, kommentierte Kin Wah Loh, Vorstandsvorsitzender der Qimonda AG den Vorgang gegenüber Medienvertretern.

Weitere Millionen benötigt

Unternehmensangaben zufolge war es »der massive Preisversfall in der DRAM-Industrie in Kombination mit einem sich dramatisch verschlechterten Zugang zu Finanzierungen auf den Kapitalmärkten, die die finanzielle Position von Qimonda in den vergangenen Monaten verschlechtert hat« und der den Gang zum Insolvenzgericht unausweichlich machte. Außerdem hatten sich zuletzt die ein erhöhter Finanzierungsbedarf für das laufende Geschäftsjahr ergeben. Branchenexperten sprechen von einem zusätzlichen Finanzierungsbedarf in Höhe von bis zu 300 Millionen Euro.

Der bisherige Plan

Bis jetzt sah es so aus, dass das Unternehmen im Rahmen eines Rettungspakets ausreichend frisches Geld bekommt und damit sowohl die Reorganisation abschließen als auch die nächste Chipgeneration in Angriff nehmen kann. Die Wende im nun gescheiterten Rettungsplan brachte Ende Dezember vergangenen Jahres das Land Portugal: Dort steht eine Qimonda-Fabrik, die von Vorprodukten aus Dresden abhängig ist. Gehen im »Silicon Saxony« die Lichter aus, sind auch portugiesische Arbeitsplätze gefährdet.

Sachsen hätte 150 Millionen Euro als Darlehen gewährt, die Muttergesellschaft Infineon hätte sich mit 75 Millionen Euro Kredit beteiligt und Portugal mit weiteren 100 Millionen Euro. Für später waren noch weitere Bürgschaften des Landes Sachsen und des Staates im Gespräch. Insgesamt hätte Qimonda also nur mit einer Finanzspritze von weiteren 325 Millionen Euro arbeiten können. Dieser zusätzliche Finanzierungsbedarf sprengte diesen Rahmen und damit den Plan.


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