25.05.2007 | Redakteur: Florian Eisele
Auf Unverständnis stößt bei der IT-Reseller-Vereinigung UNEDA (United Network Equipment Dealer Association) die Firmenpolitik von IT-Hersteller Cisco. Dieser versuche, den Markt für gebrauchte Computerteile mit gezielter Verunsicherung der Endkunden zum Kippen zu bringen. Das Argument des Netzwerk-Fertigers: Gebrauchte Hardware sei oft gefälscht und stelle ein Sicherheitsrisiko dar. Das sehen nicht alle so.
Der Handel mit Gebrauchtware ist seit jeher ein lukratives Geschäft. Nicht nur in der Auto-, sondern auch in der Computerbranche floriert der Markt mit Geräten aus zweiter Hand, stellt sie doch für den Käufer oft eine nicht zu verachtende Sparquelle dar. Allerdings haben Pkw- und IT-Markt sonst nicht viel gemeinsam, denn bei letzterem sind keinesfalls alle rechtlichen Rahmenbedingungen exakt abgesteckt.
Wie sonst ist der Kommentar eines frustrierten Users der englischen Webseite networkworld.com zu verstehen, der anmerkt: »Es ist, als würde ich mein drei Jahre altes Auto zwar legal an einen beliebigen Interessierten verkaufen, der dürfte es aber nicht fahren, weil er es nicht beim Hersteller direkt gekauft hat. Würde ich den Wagen jedoch an den Hersteller verkaufen, müsste ich zwingend ein neues Auto der gleichen Marke wieder erwerben.«
Der Grund für den Frust: Die Firmenpolitik des US-amerikanischen Netzwerkherstellers Cisco. Dieser betrachtet den Handel mit gebrauchten PC-Teilen durch Dritte mit Unbehagen – und würde ihn am liebsten ganz unterbinden.
Der so genannte Graumarkt, so Cisco, zeichne sich dadurch aus, dass keineswegs alle auf ihm angebotenen Komponenten den gängigen Sicherheits- und Qualitätsnormen entsprächen. Außerdem sei dort nicht überall Cisco drin, wo Cisco draufsteht – in den IT-»Flohmärkten« vermuten die Kritiker einen Umschlagplatz für Produkt-Fälschungen.
Mit den entsprechenden Äußerungen zu diesem lukrativen Marktfeld – immerhin setzen Gebrauchthändler allein mit Cisco-Produkten jährlich weltweit bis zu 300 Millionen US-Dollar um, insgesamt sind dies sieben Prozent des gesamten Konzernumsatzes – wolle man den Händler im Graumarkt zu schwarzen Schafen abstempeln. Die Vermutung liege nahe, dass Cisco selbst das Geschäft mit Second-Hand-Ware machen wolle.
Wilhelm von Jagow, Director Operation bei IT-Broker Tecowin, befürchtet durch die Aussagen von Cisco Konsequenzen für den Endkunden: »Wer nach steuerlicher Abschreibung seiner Geräte deren Verkauf plant, muss aufgrund solcher schädigenden Aussagen mit erheblichen Wertverlusten rechnen, da potenzielle Käufer durch die Herstellerkampagnen eingeschüchtert wurden und spürbar weniger zu zahlen bereit sind. Eine wirklich freie Wahl beim Kauf und Verkauf wird somit untergraben.«
Das Problem dabei: Die »schwarzen Schafe« gibt es wie überall wirklich, so Max Kühne, Managing Director bei Tecowin: »Ob es unter den von den Konzernen direkt autorisierten Verkäufern nicht doch Vertreiber kopierter Artikel gibt, lässt sich nicht vollkommen ausschließen. Auch diese Unternehmen sind am eigenen Profit interessiert, somit nicht durch eine Zertifizierung automatisch resistent gegen die Verlockungen großer Margen. Der Industrie direkt zugehörende Vertriebskanäle müssten insofern ebenfalls als Gefahrenquelle angesehen werden.«
Ziel muss es nun jedoch sein, eine aufkommende Verunsicherung unter Endkunden zu verhindern. Von Jagow fürchtet um seine Marge – und legt Wert darauf, dass die meisten freien Reseller durch mangelnde Sicherheitsstandards bei der Komponentenkontrolle kein Risiko für Käufer darstellen. Schließlich sei durch Tests beim Wareneingang und weiterführende Kontrollen die Sicherheit der Komponenten gewährleistet. Kühne: »Wir bedienen europaweit zahlreiche namhafte Unternehmen, eine Belieferung mit ungeprüfter Secondhand-Ware, illegal nachgemachten Geräten oder anderen nicht originalen Produkten käme einer forcierten Existenzaufgabe gleich.«
Um die Seite der Reseller zu stärken, haben sich mittlerweile rund 300 Händler, die Geschäft mit IT-Gebrauchtteilen machen, zur United Network Equipment Dealer Association (UNEDA) zusammen geschlossen – Tecowin ist einer davon. Ziel von UNEDA ist es, eine für beide Seiten verträgliche Marktsituation zu schaffen, so der Präsident des Verbandes, Mike Shelton: »Anstatt die Fälschungsgefahr als Argument einzusetzen, um Angst, Zweifel und Unsicherheit in den Köpfen der Unternehmer zu erzeugen, sollte Cisco gemeinsam mit der UNEDA dabei helfen, die weitere Zunahme gefälschter Artikel zu unterbinden und jeden Reseller, der gefälschte Cisco-Güter anbietet, strafrechtlich zu verfolgen.«
Wenn als Ergebnis dieser Diskussion tatsächlich ein Mehrwert für den Kunden entstünde, hätte der gerade angelaufene Prozess auch etwas Gutes: Die Etablierung allgemeingültiger Sicherheits- und Qualitätsstandards, von Verunsicherung keine Spur mehr. Eine ähnliche Normierung würde – ganz nebenbei – auch dem Markt für Gebrauchtwagen ganz gut tun.
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