Thema: Personalmangel bei Systemhäusern und Co.?

erstellt am: 13.05.2011 16:34

Antworten: 27

Harry_Jacob





dabei seit: 06.05.2009

Beiträge: 55

Personalmangel bei Systemhäusern und Co.?
13.05.2011 16:34

Lange warnten die Verbände vor einem drohenden Fachkräfte-Mangel, nun scheint er da zu sein. So klagen Zeitarbeitsfirmen über "regionale Vollbeschäftigung", so dass es schlicht niemanden mehr zu vermitteln gibt, und Unternehmen wie das Systemhaus Urano melden freie Stellen per Pressemitteilung - 50 Mitarbeiter sucht das Unternehmen aus Bad Kreuznach für seine bundesweit 12 Niederlassungen.
Von Gewerkschaftsseite wurde dagegen zur CeBIt 2011 noch verlautbart, der Fachkräftemangel in der IT- und TK-Branche könne nicht so ausgeprägt sein, wie die Arbeitgeber behaupten, sonst müssten die Gehälter steigen - die freie Marktwirtschaft beruht schließlich auf dem Grundsatz, dass ein geringes Angebot bei hoher Nachfrage zu steigenden Preisen (in diesem Fall: Löhnen) führt. Und sogar die Arbeitsagenturen hatten sich gewundert, warum es nicht mehr Weiterbildungs-Initiativen der Wirtschaft gibt, wenn sie qualifiziertes Personal sucht und nicht findet.

Wie sind Ihre Erfahrungen, als Arbeitgeber oder Arbeitnehmer:

  • Gibt es grundsätzlich zu wenige Bewerber für zu viele Stellen?
  • Oder passen geforderte Qulifikationen auf der einen Seite und gebotene Entlohnung auf der anderen Seite einfach zu oft nicht zusammen?
  • Was müsste sich ändern, damit die vakanten Arbeitsplätze schneller wieder besetzt werden können?

Wir sind gespannt auf Ihr Feedback!

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RE: Personalmangel bei Systemhäusern und Co.?
14.05.2011 14:39

Die EDV-Qualifizierungen, die das Arbeitsamt anbietet, sind doch nichts anderes als EDV-Schulungen in Sachen Word, Excel und Powerpoint. Auf dem IT-Arbeitsmarkt braucht man aber nicht noch mehr Leute, denen man mal gezeigt hat, wie Serienbriefe erstellt werden können, sondern welche, die mindestens einen Server aufsetzen können. Auf dieser Grundlage ließe sich weiterlernen...

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RE: Personalmangel bei Systemhäusern und Co.?
16.05.2011 08:05

Das Problem liegt eher daran, das Ämter gerade diejenigen, die auch wirklich willig sind nicht wirklich unterstützen, fördern. Denn ich würde sehr gern ein IT Beruf ausüben, meine ganze Kindheit, Jugend. Hobby, Interesse dreht sich um Computer-Fachwissen.
Aber da ich "nur" eine Kaufmännisch Ausbildung habe -> keine Chance...

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RE: Personalmangel bei Systemhäusern und Co.?
16.05.2011 08:23

Hallo Zusammen,
es liegt nicht daran das wir zu wenig Fachkräfte haben, sondern daran das die Unternehmer zu viel von den Arbeitnehmer gleich verlangen. Ich bin selbst Fachkraft im IT-Bereich habe mehrere Weiterbildungen gemacht z.B. IT-Administrator Datenbank und habe langjährige Erfahrungen in Windows / Linux und sogar Mac. Das bedeutet ich weiß wie ich einen Server aufsetzten kann und wie ich die Hardware austausche. Doch was auch klar ist das ich nicht alles kann, wie z.B. Programmieren oder Citrix doch das verlangen dann die Unternehmer dazu und schon bin ich raus. Die Unternehmer müssen endlich umdenken, nicht wir Arbeitnehmer müssen uns alles selbst beibringen sondern die Unternehmen müssen uns Arbeitnehmer die nicht gleich alles können uns auch Weiterbilden, das ist nämlich Ihre Aufgabe, genauso wie bei den Auszubildenden dort meckern die Unternehmen ja auch nur herum das es nicht genügend Azubis gibt. Zudem müssen die Unternehmen auch die älteren wieder mehr beachten, den die haben die Erfahrungen auch und es sind mit Sicherheit viele ältere Arbeitnehmer auch im IT-Sektor dabei die auch noch was neues lernen würden.
Für mich sind die Unternehmen selber Schuld das Sie keine Leute bekommen, Sie sind einfach zu wählerisch sollten lieber paar mehr Kompromisse eingehen.
Mit freundlichen Grüßen
Carsten

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RE: Personalmangel bei Systemhäusern und Co.?
16.05.2011 09:04

Die meisten Qualifizierungen, die angeboten werden, interessieren nur die Personalabteilungen,
da sie sich darunter etwas vorstellen können. Die Fachabteilungen sind an tatsächlichen
punktgenauen Erfahrungen interessiert. Bei der Komplexität der MINT Thematiken ist die
Schnittmenge = Null = Fachkräftemangel. Es führt kein Weg daran vorbei Lösungen für
Training on the Job zu finden auch und gerade für Quereinsteiger.

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RE: Personalmangel bei Systemhäusern und Co.?
16.05.2011 09:33

Der sog. "Personalmangel" ist das Ergebnis der Wirtschafts-, Politik- und Unternehmensphilosophie des vergangenen Jahrzehnts. Wie kommt man zu so einem Zwischenfazit ? Nun ja, die Arbeitsbedingungen und die Rechte der Mitarbeiterinnen (Tarif, nicht ÜT) wurden in den vergangenen Jahren zunehmend schlechter:
--> Kaum noch gestiegene Gehälter (beim Hinzurechnen der Inflationsrate sind die Gehälter sogar gesunken)
--> Kaum Qualifizierungsangebote für Mitarbeiter (da aus Unternehmenssicht zu hohe Preise)
--> Es ist einfacher, Mitarbeiter zu "entlassen" bzw. per Abfindung loszuwerden, und neues (meist jüngeres) günstigeres Personal einzustellen
--> Ständige Unsicherheit wegen des Arbeitsplatzes
--> Das vorhandene Personal wird zu über 110% ausgelastet. Auf die Zeit gesehen entstehen infolge dessen größere Krankheiten (Depressionen, Angst, Burnout)
--> Einen wesentlichen Beitrag haben hierzu die Zeitarbeitsfirmen beigetragen: Es werden sehr günstige Mitarbeiter (= Menschen) angeboten, die die gleiche Arbeit für weniger Geld und schlechteren Konditionen ausüben, ohne Jobgarantie; Wer hält das über die Jahre "gesund" aus ?
--> Neue Arbeitsverträge meist nur noch befristet oder lange Probezeit
--> ...
.. und die Politik schaut dabei nicht nur zu, sondern unterstützt das ganze. Hauptsache wir haben fast "Vollbeschäftigung" und den Firmen geht's gut. Aber was ist mit den Mitarbeitern bzw. hier lebenden "Normal-Menschen" ?!
"Personalmangel" kann ich nicht nachvollziehen (es gibt hier genug Menschen). Die Machtgier der Unternehmen und letztenendes die Politiker, die durch die Lobbyarbeit ihre Zukunft absichern, haben die Situation der "Normal-Menschen" extrem verschlechtert, und ein Ende ist leider nicht in Sicht.
Zu meiner Person: Angestellter in einem großen IT-Dienstleistungsunternehmen.

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RE: Personalmangel bei Systemhäusern und Co.?
16.05.2011 10:47

Ja, da kann ich die Meinung meiner Vorredner nur unterstützen.

Es gibt definitiv keinen "Personalmangel", sondern es fehlt an qualifizierter Ausbildung, qualifizierten Arbeitgebern und qualifizierten Politikern. (Geldgier und Dummheit ist übrigens keine Qualifikation)
Aufgrund der sehr schlechten Erfahrungen mit "Informatikern" haben wir Einstellungstests gemacht und branchenfremde Hobbyprogrammierer eingestellt, weil sie um ein vielfaches bessert geeignet sind, als die studierten Fachkräfte.
Das spricht nicht für das Ausbildungssystem, das voll an der Praxis vorbei geht!

Der grösste Fehler liegt allerdings an der Tatsache, dass die Menschen ihren Kragen nicht mehr voll genug bekommen können und andere immer mehr betrügen und ausbeuten.
Dieser Weg ist eine Sackgasse und führt zu keinem dauerhaften Erfolg!

Das ehemals erfolgreiche Deutschland hat sich durch Gier und Dummheit zum Entwicklungsland befördert.

Der angebliche Personalmangel dient ausschliesslich dafür, die Menschen noch mehr unter Druck zu setzen und auszubeuten, weil mehr Konkurrenz geschaffen wird.
Die ist auch in allen anderen Bereichen zu beobachten.

Eine Lösung ist nicht in Sicht, weshalb schon so viele das Land verlassen haben. Wenn es so weiter geht, gibt es wirklich noch einen Personalmangel

Nix für Ungut

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RE: Personalmangel bei Systemhäusern und Co.?
16.05.2011 11:28

Seit fast 30 Jahren bin ich in der IT-Branche tätig. Vor kurzem hatte ich den Versuch gewagt mich für eine Festanstellung beim Arbeitsamt zu bewerben, als Antwort bekam ich:"...bei der Qualifizierung kann ich ihnen keine Hoffnung machen, da haben wir keine Stellenangebote..."
Überqualifizierung ist also ein Ausschlussgrund, so scheint es. Mann ist mehr an den billigen kurz angelernten Aushilfskräften interessiert, die man beliebig hin und herschieben kann.
Andererseits benötigt man aber in Aussschreibungen den "perfekten" IT-Profi, der alles in einer Person vereinbart. Administrator, Netzwerktechniker und Softwareentwickler auf allen Plattformen mit einem Gehalt von höchstens 1900 € brutto. Mehr lässt es der Tarifvertrag ja nicht zu.
Gott sei Dank gibt es ja die großen Personaldienstleister, die genügend Nachschub an den "billigeren Profis" bieten können.
Vor 3 Jahren wurde ich, für einen 6 Wochen Aushilfsjob, bei einem US-Konzern als Administrator(freiberuflich) angeheuert - ich arbeite immer noch dort.
Tendenz ist jedoch die Auslagerung aller IT-Servicearbeiten an globale Unternehmen. Sprich Outsourcing, z.B. nach Indien. Von dort ist es durch die IT-Vernetzung wesentlich einfacher und billiger die gestellten Aufgaben zu erfüllen. Da Indien so Nahe ist, spielen zeitkritische Probleme natürlich keine Rolle.
Deutschland als Servicewüste? Das muss sich jeder selbst beantworten.

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RE: Personalmangel bei Systemhäusern und Co.?
16.05.2011 12:17

Hallo zusammen,
ich bin seit seit 84 im IT Bereich tätig, seit 1998 als Freiberufler.

Wenn wir Fachkräftemangel hätten, könnte ich mich vor Angeboten mit Super Stundensätzen nicht retten.
Tatsächlich ist es aber so, dass immer noch die gleichen Stundensätze wie 1998 gezahlt werden (1998 100 DM heute 50 Euro)

Delphi Programmierern wird nicht zugetraut mit C# arbeiten zu können und umgekehrt. Ohne Projekterfahrung in C# kein Auftrag und ohne Auftrag keine Projekterfahrung, egal wie viele andere Programmiersprachen man sonst in seinem Prfofil hat.

Viele Firmen weigern sich immer noch standhaft Remote-Tätigkeiten zu vergeben, obwohl dies technisch und organisatorisch problemlos machbar wäre und wundern sich dann, wenn Freiberufler höhere Stundensätze wollen (logisch, sie müssen ja Reiskosten und Übernachtung selbst zahlen) oder sie für den geplanten Stundensatz in vielen Fällen nur "Anfänger" bekommen.

Wenn man dann noch die Begründung unserer Politiker liest : "Wir müssen die Eínkommensgrenze für ausländische Fachkräfte auf 30.000 Euro / Jahr senken, damit ein Anreiz für die Ausländer ensteht zu uns zu kommen." geht mir die Hutschnur hoch. Es ist natürlich ganz logisch, dass ein wesentlich geringeres Gehalt (30.000 statt 100.000) ein deutlicher Anreiz ist. Ich arbeite auch lieber wenn ich nur 15 Euro statt 50 die Stunde bekomme.

Das ist in meinen Augen also alles nur Panikmache, weil die armen Großaktionäre und Aufsichtsräte sonst keine weitere Gewinnmaximierung zu Lasten deutscher Arbeitnehmer und Freiberufler betreiben können.

Als 2003 das erste mal Greencard gefordert wurden, hatte ich zwischen zwei Projekten 3 Monate Leerlauf.

Mein Rat an die Firmen: Lasst Vermittler weg und geht direkt auf Freiberufler und Arbeitnehmer zu, Vermittler verursachen nur zusätzliche Kosten. Geht nach der Erfahrung im IT Bereich und nicht nach der Anzahl der Jahre mit Programmiersprache X. Ein Delphi Entwickler kann sich auch problemlos in C# einarbeiten und umgekehrt. Und zum Schluss : Kosten kann man auch senken, indem man Freiberufler zu hause arbeiten lässt, das spart unnötige Reisekosten, Spesen und Fahrtzeiten, die der Freiberuflöer irgendwie mit in den Stundensatz reinquetschen muss. Es zählt schließlich das Ergebnis, und nicht ob jemand exakt von 8.00 bis 17.00 Uhr im Büro war.

Viele Grüße

Dirk Quasdorf

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RE: Personalmangel bei Systemhäusern und Co.?
16.05.2011 15:28

Fachkräftemangel?
Nun - wir arbeiten seit Jahren mit Zeitarbeitsfirmen, langsam bekommen wir aber auch von dort keine qualifizierten Mitarbeiter mehr.
Hochqualifizierte will keiner weil zu teuer, das Mittelfeld muss alles können wird aber nicht ausreichend bezahlt um sich 16h am Tag um Job und private Weiterbildung zu kümmern und die Geringverdiener bleiben lieber zuhause weil ihnen +/- 1000€ im Monat von der Zeitarbeitsfirma und Gehaltsausfall bei Krankheit dann doch zu wenig sind.
Man will eben alles für nix und weil Indien zuweit entfernt ist, schafft man eben anreize die einheimischen mit Greencardarbeitern zu unterbieten.

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