Probleme sind nicht nur länderspezifisch, sondern systemimmanent

Eine Billion Euro – „Finanzkrise reloaded“

| Autor / Redakteur: Achim Heisler, Geschäftsführer A-H-S / Harry Jacob

Achim Heisler, Geschäftsführer von A-H-S, betrachtet die Finanzkrise aus der Sicht des Dienstleisters.
Achim Heisler, Geschäftsführer von A-H-S, betrachtet die Finanzkrise aus der Sicht des Dienstleisters.

Nachdem ich mich die letzten Male mit der IT beschäftigt habe, ist es nun an der Zeit, mal wieder einen Blick auf den Business-Teil im Namen zu werfen.

Wenn dieser Artikel erscheint, ist die Schreckenszahl von 1.000.000.000.000 Euro wahrscheinlich schon wieder von noch schlimmeren Zahlen abgelöst worden, aber an den grundsätzlichen Problemen ändert dies nichts.

In immer kürzeren Abständen entscheiden „Volksvertreter“ über immer undurchschaubare Konstrukte und stürzen uns alle ins Verderben. Dabei ist zu berücksichtigen, dass einige dieser Entscheider diese Zahlen noch nicht einmal vorlesen, geschweige deren Bedeutung oder Menge einschätzen können.

Doch egal ob Schuldenschnitt, Rettungsschirm oder Hebel. Alles sind nur kurzfristige Mittel, um an Symptomen herumzudoktern. Auch wenn momentan alle auf Griechenland zeigen, möchte ich in den folgenden Abschnitte aufzeigen, dass die grundlegenden Probleme nicht (nur) länderspezifisch sind, sondern systemimmanent.

Entwicklung aus zwei Jahrzehnten

Die Hauptausprägung der Finanzprobleme wird durch etwas erzeugt, was erst in den letzten 20 Jahren aufgetaucht ist. Dies aber mit einer Geschwindigkeit und Größe, die nichts Vergleichbares hat.

Wer sich etwas mit Vokswirtschaftslehre beschäftigen durfte, kennt die Geldmengen M1 (Sichtguthaben und Bargeld), M2 (M1 + kurzfristige Termin- und Spareinlagen) und M3 (M2 + kurzfristige Bankschuldverschreibungen + Geldmarktfondsanteile + Repogeschäfte). Ich nutze hier die Definition der Bundesbank, auch wenn andere Definitionen etwas davon abweichen.

Die Geldmenge M3 im Euroraum beträgt im Moment ca. 9,2 Billionen Euro. Dies sind alles Gelder mit Bezügen zur realen Wirtschaft und für den gesunden Wirtschaftskreislauf unabdingbar. Und wenn man den Rettungsschirm im Verhältnis zu den Geldmengen M1, M2, M3 sieht, könnte man von einer ausreichenden Dimensionierung ausgehen.

Virtuelles Geld der Schattenbanken

Diese Hoffnung wird aber von dem neuen Teilnehmer am Finanzmonopoly pulverisiert. Ich möchte diese virtuelle Geldmenge in diesem Zusammenhang mit M4 bezeichnen. Dies ist das Geld, womit die sogenannten Schattenbanken operieren.

Und hier kommen dann plötzlich Summen ins Spiel, wohingegen die eine Billion wie das Taschengeld eines Fünfjährigen wirkt. Ich habe leider nur globale Zahlen, die richtigerweise auf EU-Dimensionen heruntergebrochen werden müssten. Die Summe dieser außerbörslich gehandelten Derivatprodukte – den Hauptprodukten der Schattenbanken – belief sich 2010 auf ca. 450 Billionen Euro.

Die Folgen, wenn es in diesem System knirscht, übertreffen alle Rettungsmöglichkeiten bei weitem. Denn das fatale in dem System ist, dass Gewinne individualisiert und Verluste sozialisiert werden. Das heißt: wenn Geld zum Stopfen der Löcher in der Geldmenge M4 benötigt wird, wollen alle Teilnehmer plötzlich reale Produkte aus M1, M2, M3 heranziehen. Dass dies bei den Relationen zwischen den Geldmengen ein unmögliches Unterfangen ist, dürfte jedem klar sein.

Lesen Sie auf der folgenden Seite mehr zu den Ursachen – der Dienstleistungsgesellschaft.

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