Kommunikation

Eigentor! Mit diesen Sprüchen schießen sich Chefs ins Aus

| Autor / Redakteur: Mike Warmeling / Ira Zahorsky

Manche Äußerungen von Chef sind ein klares Eigentor – sie können andere verletzen und lassen gleichzeitig tief blicken.
Manche Äußerungen von Chef sind ein klares Eigentor – sie können andere verletzen und lassen gleichzeitig tief blicken. (Bild: gemeinfrei)

„Ich habe es doch gleich gesagt.“ oder „Das funktioniert nie.“ – kommen Ihnen diese Sprüche bekannt vor? Vom Besserwisser bis zum Entmutiger, einige Chefs versuchen Sachlagen mit solchen Floskeln auf den Punkt zu bringen, schießen sich damit aber meist ein Eigentor.

Die Alpha-Position führt manchen Inhaber dazu, markige Chef-Sprüche herauszuhauen. Insbesondere in der Technik- und IT-Branche werden Botschaften gern auf den vermeintlichen Punkt gebracht. Manche Äußerungen sind jedoch ein Eigentor, weil sie andere verletzen und gleichzeitig tief blicken lassen.

Chef-Sprüche vom Besserwisser: „Ich habe es doch gleich gesagt.“

Ein beliebter Einwurf, wenn etwas schief gegangen ist. Eigentlich steckt die Aussage dahinter „Ich habe es besser gewusst, aber auf mich hat ja niemand gehört. Und deshalb bin ich nicht schuld daran.“ Für einen Unternehmer ist diese Ausrede ein Armutszeugnis. Entweder er delegiert eine Aufgabe, steht zur Handlungsweise seiner Mitarbeiter und steigt nun in die Schadensbegrenzung ein. Oder er nimmt von vornherein die Zügel in die Hand.

Chef-Sprüche vom Zaghaften: „Das funktioniert nie.“

In der Weltgeschichte wären keine entscheidenden Entwicklungen möglich gewesen, hätten alle diese am Althergebrachten orientierte Haltung vertreten. Gedankenexperimente sind der erste Schritt zu Neuerungen, die möglicherweise ein Unternehmen entscheidend voranbringen können. „Das haben wir immer so gemacht“? Herzlichen Glückwunsch: Dieses Unternehmen ist nicht zukunftsfähig und wird deshalb demnächst nicht mehr existieren.

Chef-Sprüche vom Wichtigmacher: „Das ist nicht meine Baustelle.“

Sich nicht verzetteln ist die eine Sache. Grundsätzlich alles ablehnen, was nicht dem unmittelbaren Erfahrungswert eines Unternehmens entspricht, ist eine verschenkte Chance. Vielleicht zeigt sich in dieser Anfrage eine Marktentwicklung, die man erfolgreich aufgreifen könnte? Sinnvoller wäre es deshalb, zunächst die Potenziale und Möglichkeiten zu überprüfen. Manches lässt sich auch in einer Kooperation umsetzen, was nicht ganz dem eigenen Know-how entspricht.

Gegenüber Mitarbeitern ist die Aussage dann zielführend, wenn jemand versucht, eine Tätigkeit zum Chef oder zur Chefin zurück zu delegieren. Jeder, der schon einmal in einer Führungsposition war, kennt das. Eine nicht ganz einfache Aufgabe wird übertragen und der damit Beauftragte steht 25 Mal am Schreibtisch und hat Rückfragen. Dann kann man es auch selbst machen. Hat der Mitarbeiter tatsächlich unzureichende Infos, muss man sich an die eigene Nase fassen. Versucht er jedoch, die unangenehme Arbeit abzuwälzen, ist der Spruch absolut angebracht.

Unangebracht ist er, wenn man sich als Unternehmer damit von Sachgebieten abgrenzen will, die einem nicht behagen. Vertrieb ist nicht meins, weil ich von der Technikseite komme? Dafür habe ich doch meine Leute? Als Unternehmer muss ich mich in jeden Bereich meines Unternehmens hineindenken. Nicht bis ins kleinste Detail, aber für den nötigen Gesamtüberblick. Geht es um dein Business, bist du der Generalunternehmer für alle Baustellen.

Chef-Sprüche vom Entmutiger: „Das ist nicht zu schaffen.“

Unternehmer denken nicht in Problemen, sie denken in Lösungen. Ein Kunde setzt einen Termin, der mit den vorhandenen Kapazitäten nicht gehalten werden kann. Sage ich ihm sofort, „das ist nicht zu schaffen“, stelle ich meinem Unternehmen ein Armutszeugnis aus. Es klingt nach Überforderung. Besser ist: „Wir sind momentan ausgebucht. Aber ich werde sehen, was ich für Sie tun kann. Ich melde mich morgen um 9.00 Uhr.“ Danach gibt es ein Brainstorming, wie die Situation zu lösen ist. Funktioniert es tatsächlich nicht, nenne ich dem Kunden am nächsten Tag einen realistischen Termin. Dann muss er entscheiden, ob er damit zurechtkommt. Gar nicht mal so selten lässt er sich darauf ein.

Chef-Sprüche vom Weichspüler: „Melden Sie sich doch bei Gelegenheit mal.“

Diese windelweiche Aussage geht gar nicht. Ein Unternehmer hat den Gedanken an sein Netzwerk im Hinterkopf und wägt ab, welche Menschen interessant für ihn sind und welche nicht. Entweder wird definitiv ein Termin abgemacht. Oder jemand hat kein Interesse und verabschiedet sich. Mit Unverbindlichkeit ist niemandem gedient. Eine wertschätzende Haltung gegenüber den Mitmenschen zeigt sich dadurch, dass sie wissen, woran sie sind.

Chef-Sprüche vom Inkompetenten: „Mir ist ein Rätsel, wie das passieren konnte.“

Wer ist hier noch mal der Chef/die Chefin? Wie peinlich ist das denn! Unter der Verantwortung des Unternehmers geht etwas schief und er hat keine Ahnung, was da gelaufen ist. Wie kommt das wohl beim Kunden an? Eine souveräne Reklamationsbearbeitung sieht anders aus. Es tut ihm leid, Ursache zur Reklamation und Verärgerung gegeben zu haben. Er wird sofort klären, wo die Fehlerquelle steckt und bietest eine Wiedergutmachung an: „Wie können wir die Sache aus der Welt schaffen? Was stellen Sie sich vor?“

Chef-Sprüche von der Heulsuse: „Das ist unfair.“

Die Welt ist gemein und ungerecht? Am besten geht man ins Bett, zieht sich die Decke über den Kopf und bemitleidet sich. Das bringt allerdings nicht weiter. Man muss als Unternehmer damit zurechtkommen, dass sich andere Unternehmer Vorteile verschaffen. Dadurch gerät man in Handlungsdruck und muss sich möglicherweise neu positionieren. Selbstmitleid frisst dabei die Energie auf, die eigentlich dringend dazu gebraucht wird, aktiv zu werden.

Chef-Sprüche vom Vagen: „Das erledige ich bei Gelegenheit.“

Zeitmanagement sieht anders aus. Eine effektive Terminplanung sorgt dafür, dass ich meine Arbeit nach Dringlichkeiten bewerte und erledige. Wenn ich eine Aufgabe übernehme, plane ich ihre Erledigung ein. Nicht irgendwann, sondern konkret.

Chef-Sprüche vom Angeber: „Das habe ich alles alleine aufgebaut.“

Bäuerinnen in Afrika bauen Gemüse an, ernten es frühmorgens, tragen es kilometerweit zum nächsten Ort und verkaufen es dort auf dem Markt. Ihr jüngstes Kind haben sie im Tragetuch auf dem Rücken. Die älteren Kinder und die Ziege versorgen sie nachmittags, kochen, putzen, waschen. Wenn eine von ihnen diese Aussage in ihrem Umfeld trifft, sind ihr Sympathie und Anerkennung sicher.

Äußert ein hiesiger Firmenchef oder Vorgesetzter diesen Spruch, wirkt er egozentrisch und überheblich ein. Wenn er ehrlich ist, stehen viele Menschen hinter seinem Erfolg. Partner, Kinder, Familie haben ihn mitgetragen, Freunde haben ihn unterstützt – und auch sein Netzwerk war indirekt mit guten Tipps beteiligt. Einen Anteil am Erfolg haben Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten. Deshalb sind Wertschätzung und Dankbarkeit angebracht, statt Selbstbeweihräucherung und Missachtung.

Dieser Beitrag erschien zuerst in unserem Partnerportal Marconomy. Verantwortliche Redakteurin: Georgina Bott.

Mike Warmeling ist Redakteur bei techno-marketing.biz.
Mike Warmeling ist Redakteur bei techno-marketing.biz. (Bild: Techno-Marketing.biz)

Über den Autor

Mike Warmeling ist Redakteur bei Techno-marketing.biz. Sein journalistisches Spezialgebiet sind Themen rund um die Firmengründung und Franchise-Modelle im technologieorientierten Umfeld, in Maschinenbau und Industrie. Der Geschäftsführer der Warmeling Consulting in Osnabrück entwickelt und vertreibt in Lizenz Geschäftskonzepte. Zu seinem ganzheitlichen Ansatz zählt auch das persönliche Coaching und Mentoring der Existenzgründer und zukünftigen Lizenz-Partner. Haltungen und Einstellungen des Unternehmers sieht er als wichtige Faktoren für die erfolgreiche Geschäftsentwicklung. Deshalb werden sie in die Gründer-Schulung einbezogen. Druckfrisch veröffentlicht ist sein Ratgeber „Werde ein guter Nachmacher. Warum dir niemand zeigt, wie es geht.“

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