Microsoft, Amazon, HP, Nokia, Adobe und RIM kochen weiter ihr eigenes Süppchen – ein Kommentar von Achim Heisler

Divide et impera: Die Konkurrenz ebnet Apple den Weg

03.05.2010 | Autor / Redakteur: Achim Heisler, Geschäftsführer des Systemhauses A-H-S / Regina Böckle

Achim Heisler ist Geschäftsführer des Düsseldorfer Systemhauses A-H-S.
Achim Heisler ist Geschäftsführer des Düsseldorfer Systemhauses A-H-S.

Der Kauf von Palm durch HP passt in die Riege endlosen strategischen Versagens und das konsequente Erzeugen einer Loose-Loose-Situation. Um den Hintergrund meiner Aussage zu verstehen, sollten wir uns erst einmal die Mitspieler und das Schlachtfeld in diesem Duell näher ansehen.

Es ist immer wieder erstaunlich, dass sich Jahrtausende alte Grundsätze in der Gesellschaft, der Politik und der Wirtschaft stets aufs neue bewahrheiten. Schon die alten Chinesen und Römer wussten die Wirksamkeit des Prinzips „Teile und Herrsche“ in der (Außen-)Politik gewinnbringend einzusetzen. Indem man dafür sorgt, dass der Gegner seine Ressourcen aufteilen muss, steigen die Chancen für den eigenen Sieg. Doch auch in der heutigen Zeit finden sich dafür Beispiele in unserer Branche: Apple folgt offenbar ebenfalls diesem Prinzip – und die Mitbewerber machen mit.

Apple regiert das Haifisch-Becken

Das Schlachtfeld ist der Smartphone/Handeld-Markt mit seinen endlosen erfolglosen Versuchen, Form und Funktion unter einen Hut zu bringen. Doch in diesem Markt gibt es seit kurzer Zeit einen strahlenden Helden, der das Schlachtfeld von hinten aufgerollt hat.

Apple zum Helden hochzustilisieren widerstrebt mir bekanntermaßen, aber Form, Funktion und Verkaufszahlen lassen sich nicht wegdiskutieren. Unter diesen Prämissen sollten eigentlich die Gegner feststehen: Apple gegen den Rest der Welt. Und dieser „Rest“ ist bestimmt nicht unbedeutend, wenn es um Marktmacht, Größe und Potenzial geht.

Wenn Microsoft, Amazon, HP, Nokia, Adobe, RIM, Palm und Co. ihre Fähigkeiten bündeln würden, wären sie in der Lage, Apple am langen Arm verhungern zu lassen. Doch was passiert in der Realität?

Obwohl alle Mitspieler mittlerweile erkannt haben, dass Apple im Bezug auf das Produkt und die User-Akzeptanz weit vorne liegt, kann sich keines dieser Schwergewichte dazu aufraffen. Jeder möchte gerne bis zum bitteren Ende sein eigenes Süppchen kochen und verliert dabei den gesunden Blick für die Marktentwicklung.

Speerspitze: Flash-Technologie

Für gewisse Punkte habe ich aus strategischer Sicht Verständnis, vor allem dann, wenn Apple selbst agiert. Apple und Adobe und ihr Streit um Flash ist ein gutes Beispiel: Hier greift Apple Adobe an und möchte Adobe in der Flanke treffen. Denen tut es dort sicherlich weh. Für Apple ist dies auch ein Test für ihre Macht im Markt. Sind User und Content-Provider bereit, für Apple doppelte Arbeit zu leisten oder gar Flash fallen zu lassen?

Was will HP?

Was mich allerdings völlig verwirrt sind strategische Winkelzüge von HP. Es ist doch dieselbe HP, die noch zum Jahresanfang eine Partnerschaft mit Microsoft forcierte und mit dem „Slate“ dem iPad schon frühzeitig die Luft abdrehen wollte.

Wer Steve Ballmer kennt, weiß, dass der im Dreieck gehüpft sein wird, als HP zum Palm-Retter wurde. Wenn ich also meinen Partner schon so vor den Kopf stoße, dann muss es dafür wohl einen guten Grund geben.

Das Tafelsilber, das Palm mitbringt, ist das Betriebssystem WebOS. Doch das System hat weder eine signifikante Marktdurchdringung noch eine große Freiwilligen-Armee (wie zum Beispiel Android), auf die HP bauen könnte. Bis heute ist mir nicht klar geworden, wie HP mit WebOS ein Gegengewicht zu iPhone, Android, Symbian und vielleicht bald WinMobile7 schaffen will. Mit einer Ramsch- und Grabbeltischmarke à la Compaq wird dies wohl nicht gelingen.

HP spielt Apple in die Hände

Was am Beispiel HP erschreckt, ist die Tatsache, dass Apple hier noch nicht einmal selbst aktiv werden muss, um die Gegner zu schwächen. Falls das WebOS so gut ist, wie behauptet wird: Wieso bilden die Großen keine strategische Allianz und verzichten dafür auf ihre bunten Eigengewächse? Denn am Ende des Tages wollen alle nach der Apple-Vorlage Geld verdienen. Allerdings ist im Moment niemand als Einzelspieler so stark, die dafür notwendige Markt-Abschottung zu erreichen.

Wenn die Beteiligten ihre Profilneurosen und Allmachts-Phantasien zurücknehmen würden, erhielten sie vielleicht wieder einen Blick für das Machbare. Nur so kann in diesem Marktsegment ein Gegengewicht zu Apple geschaffen werden, welches die Kunden von einem wirklichen Konkurrenzkampf profitieren ließe.

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