Entrada-Chef Ingolf Hahn plädiert für mehr Zugriffskontrolle und Datenschutz

Das Versagen der Banken und die Chance für den IT-Handel

29.10.2008 | Redakteur: Regina Böckle

Ingolf Hahn, Geschäftsführer des Security-Distributors Entrada

Die Banken werden nach Ansicht von Entrada-Chef Ingolf Hahn richtig Geld in die Hand nehmen müssen, um die Compliance-Richtlinien künftig erfüllen zu können. »Das heißt, sie müssen in ihre IT und somit in den IT-Handel investieren«, so Hahn und begründet diese These an konkreten Beispielen.

So berechtigt und nötig alle Fragen nach den Folgen des Finanzdebakels für den stark kreditfinanzierten ITK-Fachhandel sind – so sei dennoch die im allgemeinen Stimmungstief fast ketzerisch anmutende Frage erlaubt, welche möglichen Chancen sich aus der Misere für den Handel ergeben könnten.

Für die einen mag es nach schwachem Trost klingen, für andere lediglich die vernünftige Folge des Finanzdebakels sein, was Entrada-Chef Ingolf Hahn für die nächsten Jahre prognostiziert: Die Banken werden sich künftig intensiv mit Compliance-Themen und somit mit IT-gestützten Kontrollmechanismen auseinandersetzen müssen – und hier kompetente Beratung benötigen.

»Hätten die Banken grundsätzliche Compliance- und Sicherheits-Richtlinien befolgt – beispielsweise mittels einer internen Zugriffskontrolle – und hätten auch deren Umsetzung kontrolliert, wäre zum einen vieles erst gar nicht passiert. Und zum anderen wären heute Aufklärung und Fahndung nach den Ursachen und Verursachern sehr viel einfacher«, davon ist der Entrada-Geschäftsführer überzeugt und nennt auch gleich ein Beispiel: Schon eine starke Authentifizierungslösungen erlaubt es jeder Bank, per Knopfdruck nachzuvollziehen, wer wann und in welchem Umfang Kredite fauler Art genehmigt. Kombiniert mit Compliance-Richtlinien hätte diese Authentifizierungslösung auch verhindert, dass einzelne Banker mehr als die vom Vorgesetzten festgelegte Kredit-Summe vergeben konnten – beziehungsweise es wäre überhaupt zwingend notwendig gewesen, eine solche Obergrenze zu bestimmen.

Datenschutz betrifft alle Branchen

»Nicht nur die Kreditinstitute müssen und werden sich künftig mit Fragen wie diesen auseinandersetzen, sondern jede Branche, die in irgendeiner Form Daten bearbeitet – seien es Telekommunikations-Anbieter, Krankenhäuser oder Behörden«, so Hahn. Angesichts der zahlreichen, jüngst bekannt gewordenen Skandale um Millionen von Kundendaten, die unbemerkt zum Verkauf angeboten wurden, angezapfter persönlicher Bankdaten und weiterer Pannen im Umgang mit persönlichen oder Firmendaten, ist die Öffentlichkeit sehr sensibel geworden. »Aber noch schmerzt ein Vergehen gegen Compliance-Richtlinien nicht wirklich«, bemängelt der Entrada-Chef. »Hier fehlen eindeutig Kontrolle und Sanktionsregeln. Ich erwarte aber, dass sich das ändern wird.«

Darin liege künftig auch eine ganz greifbare Chance für Systemhäuser. Denn bei Verkauf und Implementierung entsprechender Lösungen sind vor allem Know-how und Erfahrung gefragt. »Die Beratung hier ist äußerst komplex, denn sie berührt immer die gesamten Arbeitsabläufe und Organisation eines Unternehmens, einer Behörde oder einer Bank. Die Frage nach der technischen Realisierung macht maximal zehn Prozent eines solchen Compliance-Projekts aus, die organisatorischen Probleme und Hürden dagegen 90 Prozent«, erläutert Hahn die Gründe für seine Zuversicht, »und das kann nur ein kompetenter Berater aus dem Fachhandel lösen.«


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