Interview mit der Tech-Data-Chefin in Deutschland

Els Demeester: »Nur wenn die Struktur stimmt, können Mitarbeiter beste Arbeit leisten«

02.08.2007 | Redakteur: Regina Böckle

Els Demeester verantwortet bei Tech Data die Geschäfte in Deutschland, Österreich und den Benelux-Ländern.

Die neue Tech-Data-Deutschland-Chefin Els Demeester hat sich viel vorgenommen – und setzt bei scheinbar kleinen organisatorischen Änderungen an. »Klaus Schlichtherle hat sehr gute Aufbauarbeit geleistet in jeder Hinsicht. Mir geht es darum, diese Projekte zu ergänzen und schneller umzusetzen«, sagt Demeester. Welche Maßnahmen sie dazu ergreifen wird, erläutert sie im Interview mit IT-BUSINESS.

ITB: In den vergangenen sechs Jahren haben ein Dutzend Tech-Data-Manager auf Europa- und Deutschlandebene Handelspartnern und Herstellern vor allem drei Dinge versprochen: Mehr Kontinuität, mehr Stabilität und Konzentration auf SMB-Reseller. Von den 12 Managern ist keiner mehr an Bord. Was können Reseller und Lieferanten von Ihren Plänen erwarten?

Demeester: In den zwei Monaten, die ich für Deutschland verantwortlich bin, habe ich eng mit Klaus Schlichtherle zusammengearbeitet und die Zeit genutzt, um mit Lieferanten, Kunden und Mitarbeitern zu sprechen. Diese Gespräche zeigten, dass sich unsere Herstellerpartner vor allem eine engere persönlichere Zusammenarbeit mit uns wünschen, und dass wir Prozesse und Arbeitsabläufe an vielen Stellen noch verbessern können, um diesem Wunsch zu entsprechen und gleichzeitig den Fokus noch stärker auf unsere Kunden auszurichten.

ITB: Größere Aufmerksamkeit gegenüber Fachhandelspartnern und Konzentration auf bestehende Hersteller standen auch auf der Agenda Ihrer Vorgänger, die beides mittels umfangreicher SMB-Initiativen zu erreichen suchten – zum Beispiel mit »make IT easy«. Was passiert mit diesen Programmen, planen Sie ähnliche aufzusetzen?

Demeester: Alle laufenden Programme bleiben bestehen. Klar ist, dass wir – neben dem starken Value-Geschäft von Azlan – bei Tech Data den Broadline-Fokus behalten werden, und in allen Segmenten – also mit SMB-, Retail- und großen Systemhauspartnern – profitabel wachsen möchten. Durch die Gespräche mit Partnern und Herstellern wurde uns aber vor allem eines klar: dass wir die Organisations-Struktur verändern müssen, um die Qualität in der Zusammenarbeit zu verbessern und vor allem, um viele Dinge, die unter Klaus Schlichtherle bereits in Gang gebracht wurden, noch schneller umzusetzen. Dazu war es dringend nötig, die Fülle an Aufgaben, die bislang zentral beim Geschäftsführer gebündelt waren, auf mehrere Schultern zu verteilen, diese aber organisatorisch auf einer Ebene anzusiedeln. Es wird also künftig einen Geschäftsführer für den Vertrieb und einen Geschäftsführer Marketing geben. Zur weiteren Entlastung, und damit zur Beschleunigung von Entscheidungen und deren Umsetzung, habe ich den Posten des Operations Director eingeführt. Dieser wird sich, abgesehen von laufenden Projekten, die bislang beim Geschäftsführer viel Zeit gebunden haben, auch um den Aufbau der Brightstar-Organisation kümmern.

ITB: Inwiefern wird der Operations Director dazu verhelfen, Reseller besser zu bedienen?

Demeester: Er wird unter anderem die Lean-Sigma-Qualitätsnormen umsetzen, die dazu beitragen werden, die Zufriedenheit von Kunden und Lieferanten weiter zu erhöhen. Außerdem haben wir die Business-Units um drei neue erweitert: Netzwerk und Security, PC-Systeme sowie Komponenten und Supplies.

ITB: Weshalb diese neuen Business-Units?

Demeester: Die Fülle an zu betreuenden Herstellern pro Business-Unit war einfach viel zu groß. Das kann keine Abteilung stemmen. Die Arbeit musste auf mehrere Köpfe verteilt werden, um den Fokus behalten zu können. Daher die Entscheidung, drei zusätzliche Abteilungen einzuführen. Nur wenn die Struktur stimmt, können Mitarbeiter auch beste Arbeit leisten.

ITB: Bislang folgten dem Wechsel an den Management-Spitzen in der Regel Entlassungen. Werden Sie Personal austauschen oder tatsächlich aufbauen?

Demeester: Ich kann heute keine genaue Zahl nennen, um die wir unser Team bis Ende dieses Jahres exakt erhöhen werden. Aber klar ist, dass wir an manchen Stellen die Mitarbeiter auch durch mehr Personal unterstützen müssen und wollen. Was häufig übersehen wird: Es gibt bei Tech Data trotz der vielen Veränderungen der vergangenen Jahren eine viel größere Stabilität als extern wahrgenommen wird. Viele Mitarbeiter und Business-Unit-Manager sind schon sehr lange hier, verfügen über wertvolle Erfahrungen und exzellentes Know-how. Das darf man nicht unterschätzen.

ITB: Mit der Abschaffung der Position des Zentraleuropachefs und Ihrem Einzug in Deutschland ist auch eine Management-Ebene zwischen Tech Datas President Europe, Néstor Cano, und den Landesgesellschaften in Deutschland und Österreich entfallen. Wird das so bleiben?

Demeester: Ja. Auf diese Weise haben wir den direkten Draht zu Néstor Cano, mit dem ich bei Tech Data schon seit mehr als zehn Jahren zusammenarbeite. Das sorgt für schnellere und transparentere Entscheidungen und für eine bessere Vertretung der deutschen Landesinteressen.

ITB: Weshalb wurden die hiesigen Landesinteressen gegenüber den Europaverantwortlichen in den USA bislang nicht gebührend vertreten?

Demeester: Ich kann die Dinge vor meiner Zeit an Bord von Tech Data Deutschland nicht beurteilen, aber in den vergangenen Jahren wurde hierzulande enorm viel geleistet – zahlreiche neue Kunden im SMB-Umfeld wurden gewonnen, das SAP-System eingeführt, die Logistik nach Bor verlagert und vieles mehr – und das alles parallel. Zudem sind Einkauf und Pricing wirklich gut aufgestellt.

ITB: Viele dieser Entscheidungen, ebenso wie die Art der Umsetzung, wurden nicht in Deutschland gefällt. Wie können Sie lokalen Interessen künftig mehr Gewicht verleihen?

Demeester: Abgesehen davon, dass ich schon 19 Jahre bei Tech Data bin und daher viele Mitarbeiter und Manager persönlich kenne – was vieles erleichtert – kann Bob Dutkowsky, der seit Oktober letzten Jahres unser CEO ist, auf funktionierenden Strukturen aufbauen. Steve Raymund hat viel in die Optimierung der Infrastruktur, also der IT-Systeme, Lager und Logistik, investiert. Bob Dutkowsky setzt seine Schwerpunkte jetzt in Vertrieb und Marketing. Das ist eine andere Ausgangssituation.

ITB: Wie sieht Ihre Strategie für die nächsten zwei Jahre aus?

Demeester: Wir wollen in allen Segmenten – im Value-Geschäft, mit SMB- und Großkunden sowie im Retail – profitabel wachsen. Insofern ändert sich durch den Wechsel in der Geschäftsführung nichts am Kern der bisherigen Strategie. Die neue Struktur soll diesen Weg beschleunigen. Wir fahren ganz klar eine Wachstumsstrategie. Auch die Strategie, bei jedem gelisteten Lieferanten in jedem Land die Nummer eins oder zwei zu sein, bleibt unverändert bestehen. Allerdings will ich zunächst sicherstellen, dass wir qualitativ die Besten sind, dann erst können wir die Ersten in jedem Land, für jeden Kunden und jeden Lieferanten sein. Ich habe an der Strategie nicht viel geändert, nur etwas hinzugefügt.

ITB: An welchen Stellschrauben werden Sie drehen, um diese Ziel zu erreichen?

Demeester: Wir haben heute eine sehr gute Kostenstruktur, aber die Transparenz muss noch besser werden, und wir müssen weiter Stabilität beweisen. Um die Wünsche der Kunden frühzeitig zu erkennen und erfüllen zu können, haben wir im Rahmen des Lean-Sigma-Qualitätsmanagement-Tools europaweit das Customer Satisfaction Program eingeführt. Damit können wir analysieren, wie zufrieden unsere Kunden mit unseren Leistungen in allen Bereichen sind – von Angebot über Logistik, Lieferleistungen et cetera. Die Teilnehmerquote bei Umfragen dazu ist regelmäßig sehr hoch, so dass wir eine aussagekräftige Basis haben. Die Prozesse an den jeweiligen Stellen zu verbessern, wird keine Sache von einem oder mehreren Monaten sein. Das ist eine langfristige Entwicklung, und überwiegend sind es kleine, aber individuelle Dinge, die hier entscheidend sind. Wir müssen einfach alles, was wir tun, richtig machen. Qualität ist das wichtigste.

ITB: Eine Folge der von Steve Raymund forcierten Umstellungen der Infrastruktur war auch das Dreiecks-Verhältnis in der Logistik. Die Herstellerverträge wurden auf die vor zwei Jahren gegründete Tech Data Service GmbH in Wien übertragen, die Ware geht ins tschechische Bor und von dort aus wieder zurück nach Deutschland. Werden Sie die Tech Data Service GmbH aufrechterhalten?

Demeester: Nach einigen anfänglichen Schwierigkeiten hat sich das System offenbar bewährt. Bis auf zwei Ausnahmen gibt es keinen Hersteller, der diese Prozesse nicht abbilden kann oder will. Wir werden uns das ansehen, aber es steht erst einmal nicht auf dem Prüfstand.

ITB: Die RMA- und Service-Abteilungen wurden kürzlich ebenfalls nach Bor verlegt. Dabei hieß es doch bis dato, gerade bei diesen sensiblen Prozessen wolle und werde man auf die erfahrenen Mitarbeiter in Moers nicht verzichten. Wie sieht die Lage hier derzeit aus?

Demeester: Das RMA-Team dort arbeitet sehr gut, es gibt zahlreiche deutsche Mitarbeiter, eine deutsche Lieferadresse, so dass sich für die Reseller nichts ändert. Zudem unterstützen die Kollegen der Supportabteilungen aus Deutschland und Österreich das RMA-Team tatkräftig. Das läuft sehr gut.

ITB: Wann wird das Tech-Data-Joint-Venture Brightstar in Deutschland starten?

Demeester: Europaweit in wenigen Wochen und zunächst in Großbritannien. Hierzulande soll der Start im vierten Quartal erfolgen, wenn wir einen passenden lokalen Manager gefunden haben. Derzeit gibt es finale Kandidaten, nur die Unterschrift unter den Vertrag fehlt noch.


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