Also-Chef Michael Dressen kommentiert einige paradoxe Mechanismen des ITK-Handels

Tickt der IT-Channel eigentlich noch richtig?

10.03.2010 | Redakteur: Regina Böckle

ITB: Actebis-Peacock Chef Uwe Neumeier hat angekündigt, bestimmte Services der Distribution, die dem Partner nachhaltig Mehrwerte liefern, künftig kostenpflichtig anzubieten. Was halten Sie davon?

Dressen: Ich halte das grundsätzlich für richtig, dass für hochwertige Dienstleistungen auch Geld verlangt werden sollte. Die Frage ist, welcher Service tatsächlich gewünscht ist. Wenn man dafür Geld verlangt, lässt sich das sehr schnell ermitteln. Wenn der Kunde nicht bereit ist, für eine bestimmte Dienstleistung zu bezahlen, dann braucht er sie nicht, weshalb man sie konsequenterweise einstellen müsste. Auch wir überlegen, ob bestimmte von uns erbrachte Dienstleistungen sinnvoll sind, weil wir sie heute kostenlos zur Verfügung stellen. Ich finde diese Debatte außerordentlich gut, denn Dienstleistungen, die nicht bezahlt werden, schlagen einfach auch als strukturelle Kosten zu Buche und müssen über andere Bereiche finanziert werden. Das wiederum widerspricht dem Prinzip der Transparenz.

ITB: Welche Services müssten Ihrer Meinung nach kostenpflichtig werden?

Dressen: Zur Debatte stehen hier Beratungsdienstleistungen im technischen Umfeld. Man muss aber auch sehen, dass schon heute die Finanzdienstleistungen, die wir erbringen, bezahlt werden. Gleiches gilt für einige Logistik-Leistungen, wie zum Beispiel die Lieferung zum Endkunden im Namen des Partners oder auch die Läger, die wir für den Händler vorhalten.

ITB: Sie hatten Mitte 2009 angekündigt, das Portfolio zu verdreifachen – auf rund 60 Hersteller. Was ist daraus geworden?

Dressen: Der Zeitraum ist nicht nur von uns abhängig, sondern vor allem von den Herstellern. Es ist ein langfristiges Ziel, das wir uns hier gesetzt haben. Mit unserem aktuellen Sortiment von gut 20 Herstellern schaffen wir es, etwa 70 Prozent des Marktbedarfs abzudecken. Über die geplante Erweiterung wollen wir diesen Anteil auf 90 Prozent erhöhen, um auch für jene Händler attraktiv zu werden, für die unser Portfolio heute noch zu klein ist.

ITB: Bislang hat Also das Vertriebskonzept der Business Units verfolgt, also pro Hersteller eine Unit. Wenn Sie das Portfolio aufstocken, wird das aber nicht mehr in dieser Art möglich sein. Wie sieht der Plan aus?

Dressen: Wir haben uns mit unseren Business Units bislang auf die A-Brands konzentriert. Dieser Ansatz bleibt bestehen, aber darüber hinaus führen wir ein Category Management ein.

ITB: Was meinen Sie mit Category Management?

Dressen: Es wird beispielsweise die Kategorie „Drucker“ geben, in der alle Produkte und Spezialisten für den Druckerbereich angesiedelt sind.

ITB: Ist das eine erste Etappe auf dem Weg zum Broadliner?

Dressen: Keineswegs. Wir werden damit nicht zum Broadliner, sondern behalten unsere Kompetenzen in bestimmten Bereichen. Das ist sinnvoller, als für alle Hersteller eigene Business Units einzurichten. Mit diesem Konzept schaffen wir es, unser Sortiment zu erweitern.

Wie bewerten Sie das Thema volumen-getriebene Backend-Boni, die Rolle der Distribution und die Überlegungen, bestimmte Mehrwert-Services kostenpflichtig zu machen? Diskutieren Sie mit im IT-BUSINESS-Forum!


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