Auf kleiner Flamme große Erfolge gekocht

Also-Gruppe steigt zum drittgrößten Distributor in Europa auf

19.02.2008 | Redakteur: Regina Böckle

Thomas C. Weissmann, Chairman und CEO bei der Also Holding AG

Das vergangene Geschäftsjahr war für den Also-Konzern besonders erfolgreich: Der Gewinn fiel doppelt so hoch aus wie geplant, die deutsche Distributionstochter schaffte erstmals, die Milliardengrenze beim Umsatz zu übertreffen, und in Europa zählt Also nun zu den Top-Drei-Distis.

Also-Konzernchef Thomas C. Weissmann betonte jahrelang, Also sei »ein langweiliger« Distributor – gab es doch in der Vergangenheit praktisch keine spektakulären strategischen oder personellen Turbulenzen. Für kurzatmige Kapriolen war das Unternehmen ebenfalls nicht zu haben.

Selbst als der Motor der Mitte 2006 übernommenen Distributorengruppe GNT deutlicher stockte als ursprünglich angenommen, hielt die Also-Gruppe das angestammte Kerngeschäft hartnäckig auf Kurs und griff parallel dazu bei GNT massiv durch. Ein Blick auf die Bilanz zeigt, dass sich diese sehr unaufgeregt umgesetzte Strategie bewährt hat.

Erstmals hat der Konzernumsatz die fünf Milliarden Schweizer-Franken-Marke geknackt. Der Gewinn vor Steuern liegt mit 14,8 Millionen Schweizer Franken doppelt so hoch wie ursprünglich erwartet. Diese Katze hatte der Distributor bereits Ende Januar aus dem Sack gelassen, per »Gewinnwarnung« an die Aktionäre.

Damit rückten die Schweizer in die Top Drei der europäischen Distributionsliga auf. Um rund 100 Millionen Euro konnte Also die Actebis-Peacock-Gruppe übertrumpfen, die im vergangenen Jahr zahlreiche Landesgesellschaften abgegeben hatte. Nach wie vor auf Platz eins im Europa-Ranking liegt Tech Data mit einem Umsatz von 9,2 Milliarden Euro, und damit mit nur knappem Vorsprung vor Mitbewerber Ingram Micro, der im vergangenen Geschäftsjahr rund 9,1 Millarden Euro umsetzte.

Profitable Distribution in Deutschland

Als Rekordhalter entpuppte sich erneut die Also-Gesellschaft in Deutschland. Sie überschritt mit einem Umsatz von 1,03 Milliarden Euro erstmals die Milliarden-Grenze und hat damit binnen drei Jahren den Umsatz verdoppelt. Überraschend ist, dass dabei offenbar weder die Profitabilität noch die Qualität unter diesem schnellen Wachstum gelitten haben. Denn gleichzeitig fuhr das Straubinger Also-Team 2007 auch das beste Ergebnis seit Bestehen des Unternehmens in Deutschland ein.

»Wir sind schneller gewachsen als der Markt, in allen Segmenten, und das profitabel«, erläutert Also-Deutschlandchef Michael Dressen. »Es ist durchaus möglich, als Distributor hierzulande profitabel zu arbeiten, auch wenn das mancher nicht wahrhaben will.« Auf welche Weise es Also gelungen ist, erläutert er im Interview in der kommenden Ausgabe der IT-BUSINESS.

Die Leserwahl von IT-BUSINESS zum Distributor des Jahres 2007 unter Fachhändlern, Systemhäusern, Online-Händlern und Retailern bewies gleichzeitig, dass bei Also Deutschland trotz der großen Umsatz- und Marktanteilssteigerungen die Qualität offenbar weiter stimmt. Denn Also stand in der Gunst der Partner auf Platz Eins unter den Broadlinern.

Klar ist aber auch: Die Rückschläge bei GNT haben den Aufstieg der Also-Gruppe unter die Top Drei der europäischen Distributoren nur verzögert, nicht verhindert. »Auf dem Weg zum Mount Everest haben wir jetzt das Basislager erreicht«, so das Fazit Weissmanns.

Zahl der GNT-Sorgendkinder auf zwei geschrumpft

Die Zahl der Sorgenkinder, die sich der Also-Konzern mit der GNT-Übernahme vor eineinhalb Jahren ins Haus geholt hatte, ist mittlerweile auf zwei zusammengeschmolzen: nur noch die Töchter in Schweden und Norwegen haben vergangenes Jahr Verluste eingefahren. Sowohl die Niederlassungen in Osteuropa als auch in Finnland warfen ab dem zweiten Halbjahr Gewinne ab. Diese konnten jedoch die Verluste der beiden Schwestern in Schweden und Norwegen noch nicht ganz auffangen. Für 2008 ist die Rückkehr der gesamten GNT-Gesellschaften in die Gewinnzone angepeilt.

In beiden Ländern wurden harte Einschnitte bei Personal und Portfolio vorgenommen. Rund 100 Mitarbeiter wurden in Schweden entlassen, das Portfolio von 170 auf 50 Hersteller zusammengestrichen. Auch in Norwegen konzentriert man sich nun auf rund 50 statt ehemals 110 Herstellerpartner. Parallel dazu nahm das Management der Also Holding das Debitoren- und Lagerwesen in die Hand.

Die Maßnahmen beginnen zu greifen: So wurde die Lagerumschlagszeit wurde von ursprünglich 33 Tagen auf 22 reduziert, Altlagerbestände verkauft, Beschaffungsprozesse gestrafft und vor allem auch das Debitorenmanagement verbessert. »Durch die Einführung eines konsequenten Mahnwesens konnten wir inzwischen die Zahlungsziele auf die bei der Also-Gruppe im Schnitt üblichen 30 Tage reduzieren«, erklärt Weissmann.

Weitere Erleichterung für die Bilanzsumme brachte das Debitorenverkaufsprogramm. »Also ist es gelungen, trotz schwieriger Lage am Finanzmarkt, den Debitorenstamm komplett zu verkaufen, inklusive des Risikos«, zieht Also-CFO Hans Wyss Bilanz.

Langweilig schützt vor Überraschungen nicht

Die Einschätzung des Konzernchefs Weissmann über den kapriosenlosen Distributor Also mag daher insgesamt weiter berechtigt sein: Weder bei den Also-Gesellschaften, noch bei GNT hat man grundlegend Neues erfunden oder Bewährtes umgeworfen, auch wenn Neuland betreten wurde. Doch das Ergebnis beweist, dass möglicherweise gerade unscheinbar wirkende Maßnahmen für die erfolgreichsten Überraschungen sorgen können.


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