Der Rubel rollt über die Datenautobahn

Luupay macht Ernst mit mobilen Bezahlverfahren

29.06.2007 | Redakteur: Sylvia Lösel

Reinhold Sigler ist Geschäftsführer der Firma Contopronto, die mit Luupay ein mobiles Bezahlverfahren im deutschen Markt positioniert hat.

Mobile Bezahlverfahren stecken noch in den Kinderschuhen. Es gibt zahlreiche Insellösungen, viele Anbieter und ein Unternehmen, das flächendeckend operiert. Die Marke Luupay gehört der Firma Contopronto, die ihren Firmensitz in der norwegischen Hauptstadt Oslo hat. Luupay bietet mobile Bezahldienste in verschiedenen Branchen an. Das zweite Quartal 2007 wird zahlreiche neue Projekte bringen, sagt Country Manager Reinhold Sigler im Gespräch mit IT-BUSINESS.

ITB: Wie funktioniert das Bezahlen mit Luupay?

Sigler: Bei uns muss man sich einmal anmelden, um dann beliebig viele und alle Arten von mobilen Transaktionen durchführen zu können. Die Anmeldung funktioniert im Moment allein über das Web, ab 15.August aber auch telefonisch über eine kostenfreie Servicenummer. Im Oktober wird es dann zusätzlich ein Java-Applet geben, mit dessen Hilfe man sich mit dem Handy anmelden kann.

ITB: Wie stellen Sie sicher, dass derjenige, der sich anmeldet, auch tatsächlich bezahlen kann? Denn für den Händler ist schließlich das Wichtigste, dass er sein Geld bekommt.

Sigler: In Deutschland sind etwa acht Prozent der Bevölkerung zahlungsunfähig. Mit unserem eigenen Scoring- und Verfizierungssystem können wir den Händlern eine Zahlungsgarantie, auch für Lastschrift geben. Dies ist einmalig in Deutschland. Bis zum Jahresende erwarten wir mehr als 100.000 voll registrierte Kunden in Deutschland und die meisten tätigen ihre erste Transaktion während der Anmeldung.

ITB: Wie lange dauert so ein Bezahlvorgang?

Sigler: Im Normalfall ungefähr 20 Sekunden. Einfach die Handynummer eingeben, die gleichzeitig auch die Kontonummer ist. Dann wird diese bei uns verifiziert und der Händler bekommt das Okay für den Bezahlvorgang. Der Vorteil: Der Händler erfährt keine Bankdaten des Kunden. Die bleiben allein bei uns. Er erfährt auch nicht, ob der Kunde bei uns Vorkasse leisten muss, oder ob er ein anderes Zahlungsverfahren mit uns vereinbart hat. Das ermöglicht es auch Kunden, die eine schlechte Bonität haben, sich bei uns registrieren zu lassen und dann einfach per Handy zu bezahlen. Die Händler bezahlen wir in Realtime.

ITB: Wie sieht ihre Klientel dann aus – permanent abgebrannt, unter 18 Jahre...

Sigler: Ganz im Gegenteil. Wir haben auch ein eher junges Publikum erwartet. Tatsächlich aber sind unsere Kunden im Schnitt älter als 37 Jahre und verfügen über einen relativ hohen Bildungsgrad. Wir haben auch über 70-jährige aktive Kunden.

ITB: Welche Anwendungen gibt es denn, bei denen Luupay seine Finger im Spiel hat?

Sigler: Wir wickeln zum Beispiel exklusiv das Aufladen von Prepaid-Guthaben bei Debitel ab. Ein Anruf unter unserer Servicenummer genügt und das Guthaben ist – Bonität vorausgesetzt – wieder aufgeladen. Damit entfällt der Gang zur Tankstelle oder zum nächsten Handy-Shop. Desweiteren bieten Webshop-Hersteller eine einfache Integration der Luupay-Zahlungsapplikation an, zum Beispiel xt:Commerce

ITB: Welche Anwendungen sind künftig denkbar?

Sigler: Mit »Ay Yildiz« kann man ab September erstmalig sein Handy jederzeit und überall per SMS nachladen und auch Guthaben verschenken. Im Laufe des Jahres werden noch weitere Anbieter aus diesem Geschäftsfeld folgen.

ITB: Abgesehen von Prepaid, welche andere Segmente sind für Sie noch attraktiv?

Sigler: In nächster Zeit wird es möglich sein, mittels Handy Preisvergleiche anzustellen, indem man den Barcode abfotografiert. Auch für den Point of Sale wird es bald Applikationen für alle Vertriebskanäle geben. Da sind wir im Moment kräftig am Entwickeln...

ITB: Wie sieht es zum Beispiel mit Ticketing-Lösungen beim Parken oder für den Nahverkehr aus?

Sigler: Da gibt es ja bereits einige Feldversuche. Doch solange man dafür ein spezielles Handy benötigt und man sich in jeder Stadt wieder neu registrieren lassen muss – sprich solange es keine einheitliche, einfache Lösung gibt –, werden wir hier nicht einsteigen. Wir sind mit Partnern an der Umsetzung mit einem 2D-Barcode auf dem Handy, das funktioniert immer.

ITB: Und wie beurteilen Sie die Zukunftsaussichten von RFID-Lösungen?

Sigler: Im Moment macht das noch keinen Sinn. Frühestens 2012 wird es hier flächendeckende Einsatzgebiete geben und erst dann ist eine Applikation, die RFID mit einbezieht, sinnvoll. Wir wenden im Moment keine Ressourcen auf, um RFID voranzutreiben. Heute versuchen alle überall mitzuspielen. Das geht schief. Wir konzentrieren uns auf die Anwendungen, die heute einfach und flächendeckend funktionieren.


Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Schreiben Sie uns hier Ihre Meinung ...
(nicht registrierter User)



Spamschutz 

Bitte geben Sie das Ergebnis der Rechenaufgabe (Addition) ein:
Kommentar abschicken

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 2005722) | Archiv: Vogel Business Media

IT-BUSINESS Newsletter-Vorschau

Zum Beispiel-Newsletter

Abonnieren Sie den täglichen Newsletter IT-BUSINESS Today!

Sie erhalten kostenlos und pünktlich jeden Morgen und Mittag die aktuellsten News, Hintergründe und Personalien aus dem IT-Markt.

>> Hier geht es weiter zur Registrierung