19.01.2007 | Redakteur: Sarah Maier
Unter dem Motto »Anschluss an alles?« gaben hochkarätige Referenten auf einer VATM-Veranstaltung einen Ausblick auf die Trends des Telekommunikationsmarktes. Dabei standen die »Next Generation Networks«, also die Konvergenz herkömmlicher Netze mit IP-basierten Netzen im Mittelpunkt. Telefonieren, Fernsehen, Internet – in Zukunft wird alles über IP abgewickelt. DSL ist dabei die bestimmende Anschlusstechnologie.
Erstmals entfallen 2006 die Hälfte aller Gesprächsminuten auf die Teleokm-Wettbewerber«, erklärt Jürgen Grützner, Geschäftsführer des Verbandes der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM). Allerdings bleibt trotzdem noch ein Wermutstropfen, denn bei einem Wechsel von Festnetzkunden zu alternativen Anbietern behält der Ex-Monopolist über 50 Prozent des Umsatzes aufgrund von Vorleistungsprodukten.
Nachdem in Europa die Strategie der ehemaligen Staatsunternehmen fehlschlug, die internationalen Schlüsselmärkte zu besetzen, besinnt man sich wieder auf den Heimatmarkt. Ausnahmen bilden die British Telecom und die spanische Telefónica, die sich erfolgreich im Ausland positioniert haben.
Zur Novelle des Telekommunikationsgesetzes äußert sich Grützner in seiner Begrüßungsansprache besorgt: »Das Gesetz ist zu wenig eindeutig, die Politiker konnten und wollten keine klarere Aussage treffen.« Nun werde von den Gerichten eine Entscheidung erwartet, allerdings brächte diese Hängepartie den deutschen Markt nicht voran. EU-Kommissarin Viviane Reding solle die Remonopolisierung der Deutschen Telekom verhindern, da dieses Vorgehen sonst auf andere Länder übergreifen könnte.
»Wir haben mit DSL eine dominante Technologie und einen dominanten Anbieter«, kritisiert auch Alwin Mahler, Vice President Strategy von Telefónica. Zusammen mit ihren Resellern deckt die Telekom 70 Prozent des deutschen Marktes ab. Dabei komme es immer wieder zu einer Diskriminierung des Wettbewerbes. So mache die Telekom ihren Kunden Angebote, die alternativen Anbietern, welche von den Telekomleitungen abhängig sind, aus technischen Gründen nicht möglich sind. Weiterhin bemängelte Mahler, dass Endkunden, die reine VoIP-Telefonie betrieben, trotzdem für DSL einen Festnetzanschluss der Telekom brauchen. Ein sogenannter Bitstream-Zugang, der Breitbandinternet ohne Telefonanschluss ermöglicht, ist in Deutschland noch nicht vorhanden. Mahler ist überzeugt, dass DSL für die nächsten Jahre die entscheidende Anschlusstechnologie ist. Heute sind 170 Städte bundesweit an das Breitbandnetz angeschlossen, das entspricht 40 Prozent der Bevölkerung. Mitte dieses Jahres sollen 60 Prozent der Einwohner DSL nutzen können.
»All-over-IP« heiße die Devise, und Triple-Play, also Telefon, TV und Internet über einen Anschluss, sei deshalb zukunftssicher. Er führte aus, dass IP-TV schon mit ADSL2-Anschlüssen ab zwei bis drei Megabit pro Sekunde in guter Qualität zu empfangen sei. Für VATM-Chef Grützner ist klar dass somit eigentlich der Regulierungsgrund, den die Telekom für das VDSL-Netz wegen ihres Triple-Play-Angebotes in Anspruch nimmt, hinfällig sei.
Den Trend, alles über das Internet abzuwickeln, bestätigte auch Andreas Jürgensen, Leiter Netze der Freenet.de AG. Aktuell betrage der Anteil der Internettelefonie am gesamten Festnetzmarkt rund fünf Prozent. Bis zum Jahr 2020 werde sich dieser Anteil jedoch sukzessive auf 100 Prozent erhöhen. Die Umstellung auf IP-basierte Netze biete dabei für Netzbetreiber und Endkunden deutliche Kostenvorteile: Netzbetreiber müssen künftig nur noch ein Netz unterhalten, Endkunden können sich viele Geräte wie Splitter und Router sparen, womit der ansonsten übliche Kabelsalat entfällt. Außerdem ist das IP-basierte Transportnetz weltweit genormt, im Gegensatz zum nationalen ISDN. Doch noch sei die Zwangsbündelung von Festnetz- und Breitbandanschluss der Tele-kom ein Hinderniss. »Der IP-Bitstream-Stand-Alone muss deshalb von der Bundesnetzagentur schnell durchgesetzt werden«, so Jürgensen. Ist das geschafft, kann VoIP zum erfolgreichen Massenprodukt werden.?
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