19.01.2009 | Redakteur: Regina Böckle
Skepsis herrscht bei einigen Resellern auch im Hinblick auf die Channel-Treue der Hersteller: »Das Software-as-a-Service-Modell stempelt uns Fachhändler langfristig zu Handy-Verkäufern ab, die für einen Euro Marge komplexe Produkte verkaufen und supporten sollen«, wettert ein Systemhauspartner gegenüber IT-BUSINESS. »Wenn unsere Aufgabe nur noch darin liegen soll, den Zugang zum Endkunden zu schaffen, dann wird man uns in diesem Modell nicht mehr lange brauchen«.
Die Hardware-Ausstattung kommt heute selbst bei mittelständischen Endkunden oft schon vom Hersteller direkt oder ist für Partner nur noch ein Null-Marge-Geschäft. Die Horror-Vision, die den Fachhandel umtreibt, lautet: »Wenn nun auch noch die Software samt Updates vom Hersteller per Abo bezogen wird, und die großen Hoster und Outsourcer den First und Second Support für die SaaS-Lösungen übernehmen, dann dürfen wir als Fachhandelspartner die Software nur noch frei schalten, und das war’s dann. Das macht uns Angst.«
Software-One-Geschäftsführer Reinhold Käfer nennt einen weiteren Hemmschuh: »Vielfach wird SaaS von den Software-Herstellern noch im Ausland gehostet. Das schreckt viele Kunden ab. Außerdem stehen die Unternehmen dann wieder vor dem Problem, dass sie mit x unterschiedlichen Herstellern Verträge abschließen, die verwaltet werden müssen.« Seiner Ansicht nach wird SaaS in fünf bis zehn Jahren richtig ausgereift sein und erst dann durchschlagen.
Die dritte Säule im Dienstleistungsgeschäft könnte mit SaaS-Modellen aber wachsen: die Einbindung der Anwendung in die bestehende IT-Landschaft des Endkunden. »Deshalb stehen insbesondere Dienstleister vor der Frage, wie sie ihr Unternehmen aufstellen sollen, um dem Wegbrechen zweier Einnahmequellen zu begegnen«, so der IDC-Experte. Naujok empfiehlt hier neben dem Einstieg in das Hosting-Geschäft auch den Ausbau der Prozessberatung.
Dennoch wird SaaS schon erfolgreich gelebt, wie Dr. Löschke betont: »Wir sollten nicht so tun, als ob das alles ganz neu wäre. Datev beispielsweise bietet in Deutschland seit langem ein klares SaaS-Modell. Salesforce.com ist sehr erfolgreich mit CRM-Software, outgesourctes SAP-Hosting ist etwas ganz Normales, um nur einige zu nennen. Dass heute alle Welt über SaaS, ASP, Software aus der Wolke und wie die Marketing-Gags alle heißen, reden, zeigt nur: wir sind im Stadium der Produktivität dieser Technologie angelangt.«
Die Investitionen in die Infrastruktur, die es Partnern erst erlaubt, SaaS-Modelle als Hoster anzubieten, sind jedoch aufwändig, und für kleinere Systemhäuser allein oft nicht zu stemmen. Aus Sicht von Novastar-Marketing-Chef Elmar Ortner muss das aber noch lange nicht bedeuten, dass der SaaS-Markt an diesen Partnern vorbeigeht. »Ziel muss es sein, ein mehrstufiges Konzept zu entwickeln, bei dem ein sehr großes Systemhaus oder ein Provider die erforderliche SaaS-Infrastruktur im Rechenzentrum bereit stellt, und kleinere Partner sich hier andocken können.« Die Modelle gibt es bereits: PC-Ware beispielsweise stellt das eigene Rechenzentrum heute schon anderen Systemhäusern zur Verfügung. Die Zusammenarbeit und die Abrechnungsmodi ließen sich vertraglich problemlos so regeln, dass die Interessen aller sicher gewahrt werden, so Löschke.
Wie Comteam-Partner sich ein funktionstüchtiges Modell erarbeitet haben, und welche Starthilfen Hersteller und Distributoren SaaS-interessierten Partnern geben, lesen Sie auf der folgenden Seite.


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