23.04.2007 | Redakteur: Harry Jacob
Das schwäbische Handels- und Dienstleistungshaus Cancom hat sich gut positioniert und kauft regelmäßig kleinere und mittlere Systemhäuser zu. IT-BUSINESS sprach mit Cancom-Chef Klaus Weinmann über seine Pläne und über mögliche Überlebensstrategien von Systemhäusern.
Weinmann: Die Analysten haben aufgrund der vorgestellten Zahlen das Kursziel angehoben, beispielsweise die Landesbank Baden-Württemberg auf 6 Euro je Aktie. Daraufhin sind zwei große Anleger aufgesprungen. Die Kursentwicklung ist zwar erfreulich, aber wichtiger ist das eigentliche Geschäft.
Weinmann: Die Software-Umstellung wird nicht kurzfristig passieren, sondern uns über die nächsten zwei Jahre hin beschäftigen. Es ist mir aber auch sehr recht, wenn es sich streckt - alles auf einmal könnten wir gar nicht bewältigen. Daneben stehen auch weitere Dinge an, die den Umsatz ankurbeln könnten, wie beispielsweise ein festplattenloses Notebook von Apple, über das immer wieder gemunkelt wird.
Weinmann: Das beginnt beim Rollout und geht von Support und Repair über IMAC - das steht nicht für den Apple-Rechner, sondern für Installation, Move, Add, Change - bis hin zu Managed Services, Consulting und sogar dem Bau von Rechenzentren. Letzteres ist aber nur eine kleine Abteilung.
Weinmann: Dort machen wir First und Second Level Support und leisten bei Bedarf auch Vor-Ort-Service. Allein 80.000 Arbeitsplätze betreuen wir so bei Siemens. Dazu zählen aber auch die Mitarbeiter-Überlassung, die oft nur projektbezogen stattfindet, sowie Managed Services, bei denen Arbeitsplätze remote, also per Fernsteuerung, betreut werden.
Weinmann: Dazu bedarf es einer relativen Größe. Die haben wir Anfang 2005 durch die Übernahme der Computerpartner-Gruppe gewonnen. Cancom hatte damals 420 Mitarbeiter, durch die Akquisition kamen rund 100 Mitarbeiter dazu, die aber damals schon doppelt soviel Service-Umsatz generierten wie Cancom. Einen neuen Schub gab es dann durch die Übernahme von NSG Mitte 2006, durch die wir weitere 600 Mitarbeiter gewinnen konnten, die unsere Service-Sparte stärken.
Weinmann: Unsere Wettbewerber sind beispielsweise ComputaCenter, aber auch eine T-Systems, wenn man an die bundesweiten Anbieter denkt. Es gibt aber auch lokale Player, wie Pica in München, mit 60 Mitarbeitern, oder MR Datentechnik aus Nürnberg, die über 200 Mitarbeiter haben.
Weinmann: Nur wenn sie stabil in bestimmten Nischen agieren. Eine Nische können einzelne Hersteller wie Apple oder Citrix sein, oder auch Themen wie eProcurement. Entweder man hat in einem solchen Themenfeld ein besonderes Know-how, das nicht so leicht von anderen zu ersetzen ist, oder man deckt möglichst alle Felder ab, so wie wir das tun, indem wir das Know-how zukaufen.
Weinmann: Wir werden das Handelsgeschäft nicht aus den Augen verlieren, denn es ist ein wichtiger Türöffner. Das wird weiter wachsen. Der Fokus liegt jedoch darauf, die von uns als Professional Services bezeichneten Dienstleistungen überproportional wachsen zu lassen, auch durch Zukäufe, allerdings eher im Bereich der Systemhäuser, die auch Handelsgeschäft betreiben.
Weinmann: Wir achten auf die räumliche Abdeckung und auf die Entwicklung in bestimmten Produktbereichen. Derzeit wollen wir uns vor allem in den Regionen Hamburg, Düsseldorf und Stuttgart entwickeln, da sind wir bereits in Gesprächen. Zusätzliches Know-how suchen wir rund um die Produktpalette von IBM sowie bei High-End-Storage-Servern.
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