Interview mit Messechef Ernst Raue

CeBIT-Konzept 2008 nimmt Formen an

20.04.2007 | Redakteur: Harry Jacob

Ernst Raue, Geschäftsführer der Deutschen Messe AG

Nach der Messe ist vor der Messe – die CeBIT 2008 wird von Messeleitung und Ausstellern bereits geplant. IT-BUSINESS sprach mit Messe-Chef Ernst Raue über die notwendigen Veränderungen und Entwicklungen.

ITB: Herr Raue, was ist für Sie die Bilanz dieses Jahres?

Raue: Der Markt hat wieder angezogen, und wir spüren das mit einem Jahr Nachlauf. Das war auch beim Abschwung so, der im Frühjahr 2000 einsetzte, und trotzdem hatten wir 2001 noch die größte CeBIT aller Zeiten. Wir sehen aber auch einen starken Wandel im Markt. Die Hardware ist immer noch wichtig, aber Service und Software gewinnen an Bedeutung. Darauf müssen wir uns einstellen.

ITB: Sie hatten bereits im Januar ein neues Konzept für 2008 präsentiert. Müssen Sie das nach dieser Messe noch mal überarbeiten?

Raue: Nein, denn das Konzept ist ja eng mit der Branche und den Ausstellern abgestimmt. Die CeBIT ist nach wie vor die größte ITK-Messe der Welt und zieht viele Aussteller und Besucher aus aller Welt nach Deutschland. Wir haben eine starke Plattform, und auf dieser Basis lassen sich die Veränderungen des Marktes gut umsetzen.

ITB: Wir hören von Ausstellerseite, dass sie dem Konzept zustimmen, aber befürchten, dass es nicht mit der nötigen Radikalität umgesetzt wird. Soll heißen, die geplante Aufteilung in Themenwelten macht ja nur Sinn, wenn diese auch für den Besucher spürbar ist, und sich nicht zu viele Aussteller davon ausnehmen wollen.

Raue: Über die Umsetzung sprechen wir am 11. Mai im Ausstellerausschuss. Auch uns gegenüber wird signalisiert, dass wir die Themenwelten ernsthaft angehen sollen. Daher glaube ich, dass die Aussteller auf breiter Front mitziehen werden. Wenn man sich die Ausstellerstruktur betrachtet, dann sind das 90 Prozent kleinere und mittlere Unternehmen, die sich gut den Themenwelten zuordnen lassen. Und auch von den zehn Prozent der großen Konzerne gibt es einige, die sich nicht auf eigenen Firmenflächen außerhalb dieses Konzepts präsentieren wollen, sondern dann eben mit mehreren Ständen in verschiedenen Bereichen vertreten sind.

ITB: Trotzdem bleibt es für die Aussteller eine starke Veränderung...

Raue: Nein, nur zum Teil. Denn wir haben ja auch schon 2007 erfolgreiche Themenflächen präsentiert. Planet Reseller und der Public Sector zum Beispiel waren sehr erfolgreich, die Bereiche Security in den Hallen 6 und 7 oder Storage in den Hallen 1 und 3 wurden ausgeweitet und damit besser sortiert, und das wird 2008 weiter fortgesetzt und forciert. Damit kommen wir auch den Ansprüchen der Besucher entgegen, und das ist ja die eigentliche Neuerung, dass wir uns ganz auf die Bedürfnisse der Messebesucher einstellen.

ITB: Wie wollen Sie die Neuerungen eigentlich bekannt machen, damit die Zielgruppe auch erfährt, was sich alles ändert?

Raue: Zum einen durch den klassischen Medienmix und eine sehr intensive Pressearbeit. Das haben wir früher schwerpunktmäßig erst zum Ende des Jahres begonnen, jetzt nutzen wir das ganze Jahr. Durch eine umfangreiche Online-Vorregistrierung der Besucher in diesem Jahr – wir haben rund 300.000 Gäste erfasst – kennen wir deren Bedürfnisse besser und können diese nun auch gezielt ansprechen. Dafür haben wir eine eigene Internet-Abteilung geschaffen, die aus der Werbeabteilung ausgegliedert wurde.

ITB: Was hat sich denn auf diesem Weg neues für Sie ergeben?

Raue: Wir haben sehr viele Anregungen bekommen, auch über die Aktion »CeBIT-Next«. In diesem Rahmen hatten wir 20 Terminals auf der Messe installiert, die wir in Zusammenarbeit mit IBM betrieben haben, um unter anderem zu erfahren, was sich die Messegäste für 2008 wünschen. Dazu gehört beispielsweise eine Art Infotank – die Besucher wollen nicht mehr Tüten schleppen müssen, sondern an den für sie interessanten Ständen eine Schnittstelle vorfinden, an denen sie sich elektronisch die Informationen herunterladen können. In meinen Augen eine sehr interessante Anregung – ich hatte diese Aktion ehrlich gesagt unterschätzt.

ITB: Sie müssen aber nicht nur die Messe in sich attraktiver machen, sondern auch im Konkurrenzkampf bestehen – 3GSM, IFA, Games Convention und andere Spezialmessen ziehen Ihnen ja nicht nur Besucher, sondern auch Aussteller ab. Wie wollen Sie das stoppen?

Raue: Alle diese Messen haben einen Nachteil: sie sind »Closed Shops« für einige spezifische Branchensegmente. Wir wollen dagegen die CeBIT als übergreifende Pattform nutzen, auf der verschiedene Akteure zusammenkommen und sich Themen gegenseitig befruchten. Als Beispiele sind hier die in diesem Jahr sehr erfolgreichen Erstveranstaltungen »Media meets Web 2.0« und der Telehealth-Kongress zu nennen. Telehealth war ursprünglich als eigene Messe konzipiert, dann haben wir aber festgestellt, dass es sehr viele Interessierte gibt, die auch auf der CeBIT sind. So haben wir das Thema mit der CeBIT verknüpft, und dadurch einen hohen Zuspruch erfahren. Diesen Weg wollen wir weitergehen, dadurch bieten wir einen ganz anderen Ansatz als die Spezialmessen – von daher bin ich mir sicher, dass wir in diesem Wettbewerb eine sehr gute Position haben.


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