Cancom hat beim Thema Cloud die Nase vorn

Höherwertige Services werden bei Cancom ausgebaut

21.02.12 | Redakteur: Sarah Maier

ITB: Welche unternehmensstrategischen Ziele hat sich Cancom für dieses Jahr gesetzt?

Weinmann: Wir wollen wie immer akquisitorisch und organisch wachsen. Das mittelfristige Ziel ist eine Milliarde Euro Umsatz, und dafür wollen wir jährlich fünf bis zehn Prozent sowohl über Zukäufe wie auch organisch wachsen. Das ergibt einen Schnitt von rund 15 Prozent. Das vergangene Jahr ist so gut gelaufen, dass wir dieses Wachstum sogar rein organisch geschafft haben.

ITB: Im Juli 2011 haben Sie Home of Hardware verkauft. Spielt das in die Bilanz mit hinein? Der neue Eigentümer Getgoods freut sich ja aktuell über hervorragende Umsatzzahlen.

Weinmann: Gesetzlich müssen wir nach dem Verkauf die Zahlen von Home of Hardware komplett aus unserer Bilanz herausrechnen – sowohl aus dem laufenden Jahr, wie auch aus dem Vorjahr.

ITB: Getgoods hat verkündet, dass sie mit dem Kauf von Home of Hardware 80 Prozent Umsatzwachstum im Weihnachtsgeschäft verzeichnen konnten. War der Verkauf doch ein Fehler?

Weinmann: Nein, es war eine vernünftige Transaktion für alle Seiten. Das B2B-Business ist unser eigentliches Kerngeschäft in der Cancom-Gruppe. Wir wollen uns einfach mehr auf High-End- und Dienstleistungen konzentrieren.

ITB: Sie haben in einem früheren Gespräch erwähnt, dass für Cancom eine Niederlassung in der Schweiz interessant wäre. Hat sich hier etwas getan?

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Weinmann: Die Schweiz ist immer eine Schwachstelle, dort haben wir bisher noch nicht das Richtige gefunden.

ITB: In Deutschland scheinen Ihnen die Übernahmen leichter zu fallen. Was ist das Problem in der Schweiz?

Weinmann: Zum einen sind die Schweizer IT-Dienstleister teuer, zum anderen ist es natürlich ein gewagterer Schritt als im Inland etwas zu machen. In Deutschland kann man auch einmal einen Sanierungsfall kaufen, in der Schweiz muss es ein gut und langjährige funktionierendes Unternehmen sein. Zudem stehen wir nicht unter Druck, wir können uns also locker umsehen.

ITB: Wie steht es überhaupt mit der internationalen Ausrichtung? Sie sind momentan ja in Deutschland, Österreich und Großbritannien unterwegs.

Weinmann: UK haben wir seit einigen Monaten auf Discontinued Operations gesetzt – das heißt, dieser Geschäftsbereich steht zum Verkauf. In England haben wir ungefähr zwölf Millionen Euro Umsatz gemacht, was angesichts der Konzerngröße nicht mehr ins Gewicht fällt. Wir beschäftigen uns nur noch mit dem deutschsprachigen Raum.

ITB: Demnach hat sich nun auch die Expansion nach Osteuropa erledigt?

Weinmann: Diese Idee hatten wir ja noch vor der Finanzmisere. Damals waren wir fast abschlussreif mit einem Unternehmen aus Polen, die Verträge lagen alle auf dem Tisch. Dann begann es zu kriseln. Einen Tag bevor wir nach Polen hätten fahren sollen, um die Verträge zu unterschreiben, habe ich das Ganze abgeblasen. Ich wollte erst einmal sehen, wie sich die Wirtschaft entwickelt, und dann kam sie, die Finanzkrise. Deshalb ist die Ostexpansion geplatzt, und wir haben uns seitdem entschlossen, uns auf die deutschsprachige Region zu konzentrieren. Das hat mit der Übernahme von Sysdat im Jahr 2008 und Bürotex 2009 gut geklappt. Diese Strategie gilt, solange wir auf dem deutschen Markt noch nicht so stark vertreten sind, wie wir das wollen.

ITB: Cancom ist für seine vielen Akquisen bekannt. Was für ein Konzept haben Sie, um die übernommenen Firmen erfolgreich in den Konzern zu integrieren?

Weinmann: Im Prinzip ist es viel Erfahrung, wie man es machen muss. Zum einen muss man offen sein, andererseits braucht es klare Linien. Deshalb haben wir ein eingespieltes Integrations-Team. Wir haben eine Akquisitions-Checkliste, da stehen rund hundert Punkte drauf, die beachtet werden müssen. Und diese werden nach und nach abgearbeitet.

ITB: Unter „Vision“ findet man auf Ihrer Website den Hinweis, E-Commerce und Professional Services ausbauen zu wollen. Was planen Sie hier?

Weinmann: Im Bereich E-Commerce/Trade haben wir den neuen Online-Shop, der in ein paar Wochen an den Start geht und in den wir eineinhalb Millionen Euro investiert haben. Das Revolutionäre daran ist, dass die Kunden hier ihre eigenen SAP-Systeme anbinden können. Diese Anbindung ist bisher sehr zeitaufwändig, und wir konnten sie nur wenigen Kunden bieten, aber jetzt können wir jedem Kunden einen Customized-Shop offerieren. In diesem Umfeld ist Bechtle recht gut und wir haben Nachholbedarf, aber ich glaube, so können wir aufholen.

ITB: Welche Vorteile hat die SAP-Anbindung für Sie und Ihre Kunden?

Weinmann: Durch die direkte Anbindung verwaltet der Kunde sein eigenes Budget. Verbrauchsmaterial kann er so beispielsweise online bei uns bestellen, statt darüber eine Diskussion mit dem Einkauf zu starten. Es läuft alles automatisch ab. Es kann sein, dass eine Druckerpatrone direkt aus dem Lager der Distribution in unserem Namen verschickt wird. Das spart sowohl uns wie auch dem Kunden Transaktionskosten, trägt zur Prozessoptimierung bei und erhöht die Mitarbeiterzufriedenheit.

ITB: Und der Bereich Managed Services?

Weinmann: Das betrifft den Bereich IT-Solutions. Hier gehen wir immer mehr in Richtung Professional Services und höherwertige Dienstleistungen. Momentan sind die Einheiten noch auf die Ridlerstraße und Ismaning verteilt, aber sobald wir das neue Gebäude in München haben, wollen wir diese zusammenlegen. Dort wollen wir auch einen Cloud-Showroom einrichten, um das Thema für den Kunden greifbar zu machen. Zudem planen wir ein neues Rechenzentrum in München. Aktuell haben wir beschlossen, neben den Segmenten Trade und IT-Solutions, Cloud Computing als eigenen Bereich aufzubauen.

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