Experten diskutierten auf Medientreffpunkt Mitteldeutschland über Netzneutralität

Deutsche Telekom erwägt kostenpflichtige QoS-Garantien

17.05.2011 | Autor / Redakteur: Dirk Srocke / Andreas Donner

Heiko Zysk von ProSiebenSat.1 Media greift die Deutsche Telekom verbal an.

Um latente Hysterie und hausgemachte Bandbreitenprobleme drehte sich die Diskussion „Netzneutralität – Der Preis als Risiko“ auf dem Medientreffpunkt Mitteldeutschland. Auf dem Podium stritten Experten über das Geschäftsmodell der Deutschen Telekom und die Gefährdung einer pluralistischen Demokratie durch zusätzliche QoS-Tarife.

Wieviel heiße Luft in der aufgeladenen Diskussion um das Thema Netzneutralität stecken könnte, verdeutlichte eine provokante Frage von Heiko Zysk. Anfang des Monats fragte der Manager Media Policy bei der ProSiebenSat.1 Media AG auf einem Podium des Medientreffpunkts Mitteldeutschland: „Wo ist eigentlich das Problem?“ – und bat um genauere Informationen über mögliche Flaschenhälse in den Netzen von Carriern und Providern.

Thomas Grob, Senior Experte Regulatory Strategy and Economics bei der Deutschen Telekom, gab sich reichlich Mühe, diese Frage im Sinne seines Arbeitgebers zu beantworten. Grob verwies dabei auf jährlich um rund 35 Prozent steigende Transfervolumen und Kapazitätsgrenzen, die zu Spitzenzeiten schon heute erreicht würden. Dann müsse beispielsweise garantiert werden, dass Notrufe per VoIP-Telefonie priorisiert durchgestellt werden.

Jammern über den eigenen Erfolg

Zysk konterte, dass es sich dabei um ein selbstgemachtes Problem der Zugangsprovider handele. Wer Kunden unlimitierte Flatrates anbiete, sollte sich vorher überlegen, wie das zu finanzieren sei. Kritik gab es ebenso am per IP-Netz bereitgestellten HD-Fernsehen der Deutschen Telekom. Wenn man bandbreitenintensive Dienste anbiete, müsse man damit rechnen, dass diese auch genutzt werden. Stattdessen jammere man jetzt über den eigenen Erfolg.

Im weiteren Fortgang wurde deutlich, dass Content-Anbieter und Netzbetreiber beim Thema Netzneutralität vor allem ökonomische Aspekte im Auge haben. Klar ist, dass Netzbetreiber ihrer Netze künftig weiter ausbauen müssen. Dem entgegen stehen der wirtschaftliche Druck, immer mehr Leistung für weniger Geld anbieten zu müssen und schwächelnde Einnahmen mit klassischer Sprachtelefonie.

Ihr bisheriges Geschäftsmodell stellt die Deutsche Telekom dabei zwar nicht in Frage, denkt jedoch über neue Einnahmequellen nach. Grob verneinte konkrete Pläne, skizzierte aber eine mögliche Überlegung. Demnach sei denkbar, gegen zusätzliche Gebühren QoS-Garantien „on top of best effort“ anzubieten. Die wären beispielsweise als Option für Betreiber von Videoplattformen denkbar.

Deutsche Telekom will keine Zensurbehörde werden

Dass sich Pläne zum Aufweichen der Netzneutralität negativ auf die pluralistische Gesellschaft und demokratische Prozesse auswirken könnten, verneinte Thomas Grob von der Deutschen Telekom: „Wir wollen keine Zensurbehörde werden.“

Ähnlich äußerte sich auch Heiko Zysk. Solchen Prozessen stehe man ja nicht hilflos gegenüber und Deutschland sei in Sachen Meinungsvielfalt gut aufgestellt. Vorsicht sei geraten, aber nicht jede technische Maßnahme führe gleich zu einem Überwachungsstaat. Zudem konnte der Vertreter der ProSiebenSat.1 Media AG nicht nachvollziehen, inwieweit allein die performante Netzanbindung eines lokalen Webportals zu mehr Meinungsfreiheit beitragen könnte.

Gregor Wichert vom Justitiariat beim ZDF erinnerte allerdings daran, wie Meinungsvielfalt und Pluralismus in der analogen Welt gesichert werden, beispielsweise mit Sendefenstern oder Mechanismen zur Konzentrationskontrolle. Auch im Internet gelte es daher, für einen demokratischen Meinungsaustausch zu sorgen. Inwieweit damit auch eine verstärkte Präsenz des öffentlich-rechtlichen Rundfunks im Internet gemeint sein könnte, blieb jedoch offen.


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