Vom Systemhaus zum Cloud-Anbieter – Roundtable lotet Praxiserfahrungen aus

Wie Red Hat- und Magirus-Partner Inox-Tech der Schritt zum Service-Provider gelang

27.07.2010 | Redakteur: Regina Böckle

Michael Döderlein ist Geschäftsführer von Inox-Tech.

Wie funktioniert der Wandel vom Systemhaus zum Cloud-Anbieter in der Praxis? Das Systemhaus Inox-Tech hat diesen Schritt getan. Wie es funktioniert und wo die Knackpunkte liegen, diskutierten Vertreter vom Systemhaus Inox-Tech, Distributor Magirus und Hersteller Red Hat im Roundtable mit IT-BUSINESS.

ITB: Herr Döderlein, Sie haben unter dem Dach Ihres Systemhauses Inox-Tech ein eigenes Tochterunternehmen gegründet, die Extend-IT, um Ihren Kunden Cloud-Services anzubieten. Weshalb?

Döderlein: Wir haben bei unseren Kunden schon seit geraumer Zeit den zunehmenden Wunsch beobachtet, Dienste auszulagern. Das geht weit über die Bereitstellung von Infrastruktur hinaus und beginnt meistens damit, Managed Services und Shared Services an uns auszulagern. Die Inox-Tech war aus ihrer Historie heraus bislang hauptsächlich im Großkundenbereich tätig. Mit den Managed Services und unseren Cloud-Angeboten adressieren wir jedoch vorrangig Mittelstandskunden.

Ergänzendes zum Thema

Die Teilnehmer

ITB: Wann wird das Thema Cloud bei Mittelstandskunden überhaupt relevant?

Döderlein: Meist entsteht diese Überlegung aus ganz klassischen Situationen und Konstellationen heraus. Aus meiner Sicht beginnt Cloud Computing nicht erst bei der Bereitstellung von Infrastruktur. Beispielsweise gibt es beim Kunden nur einen Profi für ganz bestimmte Themen. Wenn der in Urlaub geht oder einmal ausfällt, gibt es für ihn keinen Ersatz. In Fällen wie diesem bauen wir für den Kunden so genannte „Shared Services“ – wie wir das bezeichnen – auf und vereinbaren mit dem Kunden Service-Verträge, in denen alle Dienstleistungen genau dokumentiert sind. Ein Überwachungs- und System-Management-Tool informiert uns rund um die Uhr über den Zustand der Kunden-IT und schlägt sofort Alarm, wenn es dort beispielsweise zu außergewöhnlichen Ereignissen kommt. Im Rahmen der Shared Services können wir Teile der IT, aber auch den gesamten Rechenzentrums-Betrieb für den Kunden übernehmen – remote oder vor Ort. Und dies, wenn gewünscht, eben auch auf der eigenen IT-Infrastruktur der Extend-it.

ITB: In welchen Etappen haben Endkunden ihre IT an Sie ausgelagert?

Döderlein: Was wir als Systemhaus unseren Kunden schon maßgeblich an Infrastruktur bereit gestellt haben, waren vor allem Überwachungssysteme sowie beispielsweise Dokumentationsplattformen oder Wikis, um eine Basis für unser Shared-Service-Angebot zu schaffen. Die Bereitstellung von IT-Infrastruktur beginnt jetzt im Rahmen der Extend-it.

ITB: Weshalb haben Sie für diese Cloud- oder Shared-Services ein eigenes Unternehmen gegründet, die Extend-it GmbH, zusätzlich zum Systemhaus-Geschäft der Inox-Tech?

Döderlein: Wir haben mit zunehmendem Wachstum dieses Bereichs fest gestellt, dass sich der Pulsschlag eines IT-Systemhauses wesentlich von dem eines IT-Rechenzentrums-Betreibers unterscheidet. In beiden Fällen ist extrem hohes Know-how gefordert, aber als Rechenzentrums-Betreiber muss dieses Know-how sehr viel prozess-orientierter umgesetzt werden. Logische Konsequenz aus dieser Erfahrung war, dass wir eine Tochtergesellschaft speziell für dieses Geschäft gegründet haben, die Extend-it GmbH, die für Kunden ausschließlich Cloud-Services erbringt. Wir haben bewusst einen Firmennamen gewählt, der nicht den Begriff „Cloud“ enthält, und wir sprechen auch nicht von der Cloud.

ITB: Weshalb?

Döderlein: Viele Kunden fühlen sich bei der Vorstellung nicht wohl, Teile oder ihre gesamte IT quasi einer Cloud zu übergeben, ohne zu wissen, was mit ihren Daten passiert. Denn sobald personenbezogene Daten in die Cloud wandern, wirft das auch juristische Fragen auf – SLAs legen zwar Verfügbarkeits-Garantien und ähnliches für die Daten fest, aber sie definieren nicht, wo die Daten repliziert, abgelegt und gespeichert werden. Die Intention der Extend-it ist es, den Kunden eine Erweiterung ihrer IT-Landschaft anzubieten, die Daten aber quasi in eine sichere „Sackgasse“ zu führen, weshalb unser Rechenzentrum in Deutschland, in Passau steht. Was wir als Cloud bezeichnen ist alles, was der Kunde quasi von außen, also von uns bezieht: von der IT-Infrastruktur, basierend auf Cisco UCS als Hosting-Plattform mit VMware als Hypervisor, Netapp als Storage- und Fortinet als Security-Lösung bis hin zu Deduplizierungs-Angeboten – eine physikalische Architektur, die wir großteils mit Magirus als Lieferanten umsetzen.

Maritta Hartl ist Vertriebsdirektorin bei Magirus Deutschland.
Maritta Hartl ist Vertriebsdirektorin bei Magirus Deutschland.

Hartl: Das ist ein klassischer Prozess, den wir bei unseren Partnern beobachten: Die meisten gehen zunächst davon aus, dass sie die Cloud-Modelle aus dem Systemhaus heraus abbilden können. Dann erkennt man, wie stark sich die Rollen bei diesen Konzepten von den klassischen Systemhaus-Funktionen unterscheiden. Wie Inox-Tech gründen dann Systemhäuser typischerweise eine eigene Abteilung oder Gesellschaft speziell für diese Cloud-Dienstleistungen.

Wo die Knackpunkte beim Aufbau des Hosting-Rechenzentrums liegen und welche Alternativen es gibt, erfahren Sie auf der nächsten Seite.


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