Elektro-Konzern zieht sich weiter aus dem IT-Geschäft zurück

Siemens schmückt SIS mit Kündigungen und 500 Millionen Euro

18.03.2010 | Redakteur: Harry Jacob

Siegfried Russwurm, Personalvorstand bei Siemens, will in Deutschland 2.000 Stellen mittels „verantwortungsvoller Maßnahmen“ abbauen.

2.000 Arbeitsplätze allein in Deutschland wird Siemens in der IT-Service-Sparte SIS abbauen, 4.200 weltweit. Zusammen mit großzügigen Investitionen soll der Unternehmensbereich für einen Verkauf im kommenden Jahr vorbereitet werden – „fit für die Zukunft“ nennt das Siemens-Management dieses Konzept.

Vor Jahren war die damalige Sparte Siemens Business Services – heute SIS – Hoffnungsträger der Siemens-Chefetage: die einzelnen Konzernteile sollten dank SBS auf die E-Commerce-Zukunft vorbereitet werden, und auch Geschäftspartner und weitere Projekt-Kunden vom Know-how der IT-Service-Gesellschaft profitieren. Das ist lange her, und das Management unter dem amtierenden Konzernchef Peter Löscher hat entschieden: IT und TK haben keine Zukunft – zumindest nicht als Geschäftsbereiche von Siemens. Denn damit ist kein Geld zu verdienen, zumindest nicht so viel wie mit Kraftwerken, Medizintechnik und Co.

Zuckerbrot und Peitsche

Siemens IT Solutions and Services (SIS) wird im Zuge dieser Entscheidung für einen Verkauf vorbereitet. Stellenabbau ist dabei das Mittel der Wahl, Kostensparen allein soll aber nicht die Maxime sein. Im Gegenteil: 500 Millionen Euro will Siemens als zusätzliche Investitionen in den kommenden zwei Jahren in den Geschäftsbereich pumpen, um „Kunden noch stärker als bisher wirtschaftliche IT-Lösungen anzubieten“, so die Mitteilung von Siemens.

Die Organisation von SIS wird sich ebenfalls wandeln. Statt bislang sieben Bereichen sollen künftig nur noch zwei Abteilungen genügen: neben dem IT-Outsourcing bleibt nur noch „IT-Lösungen“ übrig. In dieser Geschäftseinheit werden Dienstleistungen zur IT-Systemintegration sowie branchenbezogene IT-Lösungen zusammengefasst, die auch dem Konzern in seinen Sparten Energie, Industrie und Gesundheitstechnik zugute kommen. Zum 1. Oktober 2010, dem Beginn des neuen Geschäftsjahres, wird SIS als eigene Gesellschaft ausgegründet, ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg zu einem Verkauf oder einem möglichen Börsengang im Jahr 2012.

Zukunftsfähige Plattform

Im Rahmen der Umstrukturierung, hin zu einer „flexiblen, marktorientierten Organisation“, so die Umschreibung von Siemens selbst, sollen von den weltweit knapp 36.000 Stellen 4.200 gestrichen werden. In Deutschland sind rund 2.000 Mitarbeiter betroffen, vor allem in großen Standorten wie München und Paderborn sowie im Großraum Nürnberg/Erlangen. Hierzulande hat SIS bislang insgesamt 9.700 Beschäftigte.

„Wir werden die Maßnahmen verantwortungsvoll umsetzen. Durch die klare Fokussierung machen wir die IT-Sparte fit für die Zukunft“, sagt Siemens-Personalvorstand Siegfried Russwurm zu dem Konzept. Man wolle beim Stellenabbau alle Möglichkeiten für freiwillige Maßnahmen ausschöpfen, beispielsweise durch einvernehmliche Vertragsauflösungen. Desweiteren sollen befristete Arbeitsverhältnisse auslaufen, und darüber hinaus nötige Maßnahmen „so sozialverträglich wie möglich umgesetzt werden“. Die Reduzierung der 47 Regionalgesellschaften um rund ein Viertel, Einsparungen in der Verwaltung und die Trennung von Randaktivitäten sollen dazu beitragen, die Strukturen den gesunkenen Umsätzen anzupassen.

Russwurm sieht weiterhin große Chancen in der Zusammenarbeit von SIS mit anderen Siemens-Konzernteilen: „Die Anforderungen an die IT- und Softwarekompetenz in unseren strategischen Geschäften nehmen ständig zu, und die attraktiven Wachstumsfelder Smart Grid, Product Lifecycle Management (PLM) und effiziente Lösungen in der Gesundheitstechnik sind stark IT-getrieben. Die Fähigkeit, dabei auch die IT-Infrastruktur der Kunden zu betreiben, ist eine exzellente Ergänzung und schafft großen Kundennutzen. Wir haben in der Vergangenheit schon häufiger unter Beweis gestellt, dass wir notwendige Maßnahmen konsequent angehen. Nur ein solches Vorgehen sorgt für Wettbewerbsfähigkeit und sichert damit langfristig Arbeitsplätze“.

Im vergangenen Jahr hatte das konzern-interne Geschäft einen Umsatz von 1,1 Milliarden erbracht. Der Gesamtumsatz von SIS belief sich auf 4,7 Milliarden Euro, bei einem Nettogewinn von 90 Millionen Euro liegt die Gewinnmarge allerdings bei mickrigen 0,2 Prozent – nach Siemens-Maßstäben viel zu wenig, um im Konzern verbleiben zu können.

Auf der folgenden Seite finden Sie eine Übersicht, welche fatalen Auswirkungen die bisherigen Verkäufe diverser IT- und TK-Sparten von Siemens hatten.

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