Erst Zoff, dann Breko-Austritt, jetzt eigener Verband

Glasfaserunternehmen verbünden sich gegen niedrige Preise

18.02.2009 | Redakteur: Ulrike Ostler

Anbieter von Glasfaserinfrastruktur bilden Verein gegen das Zerfasern von Interessen

Die Unternehmen NetCologne (Köln), M-net (München), wilhelm.tel (Norderstedt), willy.tel (Hamburg), Stadtwerke Schwerte (Schwerte), Heli Net (Hamm), Accom (Aachen), VSE NET (Saarbrücken) und HL Komm (Leipzig), haben sich im neuen Bundesverband Glasfaseranschluss zusammengeschlossen. Bis 2012 wollen die Unternehmen über eine Million Haushalte und Firmen mit Glasfaseranschlüssen versorgen.

Die Gründung folgt fast unmittelbar auf den Austritt der regionalen Netzbetreiber NetCologne und M-net aus dem Bundesverband Breitbandkommunikation (Breko) in der vergangenen Woche. NetCologne war ein Gründungsmitglied. Als Grund für den Austritt gaben beide Firmen Interessensgegensätze an. Man streitet sich über angemessene Preise für eine Telekommunikationsinfrastruktur.

Hans Konle: „Die von vielen Seiten vehement geforderte Senkung der TAL-Preise wäre Gift für getätigte und geplante Glasfaser-Investitionen.“
Hans Konle: „Die von vielen Seiten vehement geforderte Senkung der TAL-Preise wäre Gift für getätigte und geplante Glasfaser-Investitionen.“

Während sich Breko im anstehenden Entgeltverfahren zur Teilnehmeranschlussleitung (TAL) für sinkende TAL-Entgelte stark macht, legen NetCologne und M-net Wert auf „verlässliche und langfristig stabile Preisfestsetzungen“. Hans Konle, Vorsitzender der Geschäftsführung von M-net erläutert: „Die Entwertung von Telekommunikationsinfrastruktur kann nicht im Interesse investierender Unternehmen sein.“

Er sieht seine Infrastruktur gegenüber den kupferbasierten Access-Netzen der Deutschen Telekom in puncto Leistungsfähigkeit überlegen. Bis dies jedoch vom Nachfragemarkt preislich honoriert werde, dauere es noch lange. „Wenn wir aber heute nicht mit unserem Netzausbau beginnen, dürfen wir uns in fünf Jahren nicht wundern, wenn Deutschland abermals den internationalen Anschluss bei breitbandigen Netzen verloren hat.“

Contra TAL-Preissenkung

Nach Auffassung der beiden Unternehmen würden sich sinkende TAL-Entgelte unmittelbar auf Endkundenpreise auswirken. Sie widersprechen damit der Breko-Auffassung, dass eine TAL-Preissenkung den Infrastruktur-Wettbewerb stärke.

„Natürlich werden die Preistreiber in diesem enorm preisaggressiven Markt jeden neu gewonnenen Spielraum nutzen, um die angestrebten Marktanteile mit einer neuerlichen Preisrunde zu erzielen. Langfristig bedeutet dies aber, dass dem Markt dringend notwendiges Umsatzpotential entzogen würde und damit die auf lange Sicht gerechneten Glasfasernetze in Ihrer Wirtschaftlichkeit nachhaltig gefährdet würden“, äußert Werner Hanf, Sprecher der Geschäftsführung der NetCologne seine Bedenken zu einer Senkung der TAL-Preise.

Werner Hanf: „Nur mit stabilen Rahmenbedingungen in der Regulierung und mit einer geeigneten Fördermittelpolitik auch für regionale Unternehmen wird sichergestellt, dass Deutschland bei den Breitbandanschlüssen nicht den Anschluss an Europa und die Welt verliert.“
Werner Hanf: „Nur mit stabilen Rahmenbedingungen in der Regulierung und mit einer geeigneten Fördermittelpolitik auch für regionale Unternehmen wird sichergestellt, dass Deutschland bei den Breitbandanschlüssen nicht den Anschluss an Europa und die Welt verliert.“

Der neue Bundesverband Glasfaseranschluss soll sich für die Etablierung von stabilen Rahmenbedingungen einsetzen. In einer ersten Stellungnahme fordert der Bundesverband Glasfaseranschluss die Bundesregierung auf, den Breitbandausbau auf Bundes- und EU-Ebene durch Fördermittel zu unterstützen. Nur so könne eine größtmögliche Abdeckung mit Hochgeschwindigkeits-Internet-Anschlüssen erreicht werden.

Hanf dazu: „Zahlreiche Regierungen in Europa, zum Beispiel in Skandinavien und Frankreich aber auch in den USA, machen uns das derzeit eindrucksvoll vor.“

Offener Zugang

Ein wesentlicher Faktor seien dabei die anstehenden Regulierungsentscheidungen der Bundesnetzagentur. Konkret moniert der Verband die geforderten Senkungen für die Teilnehmeranschlussleitung (TAL-) und Bitstromvorleistungen der Deutschen Telekom (DTAG).

Ein weiteres Ziel der Glasfaserinitiative liegt in der Entwicklung von Branchenstandards für „Open Access“-Modelle sowie technische, wirtschaftliche und vertriebliche Standards.

Thomas Wald, Geschäftsführer der HeLiNet sagt: „Wir haben bei unseren Ausbaumaßnahmen unsere vertrieblichen Direkt-Ziele in kurzer Zeit erreichen können. Trotzdem wissen auch wir, dass wir nur als Open-Access-Anbieter gemeinsam mit anderen Partnern die technologische Weiterentwicklung vorantreiben können, um unsere Potentiale im Wiederverkauf der Anschlüsse voll nutzen zu können.“

Über die Gründerfirmen


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