13.02.2007 | Redakteur: Sarah Maier
Im DSL-Markt liegen die Deutsche Telekom, United Internet und Arcor vorn. Doch kleinere Anbieter versuchen, Boden gutzumachen. Ein Umbruch steht bevor: AOL und Tiscali trennen sich von ihrem Deutschlandgeschäft. Freenet geht gestärkt aus der Eingliederung bei Mobilcom hervor, QSC will mit der Broadnet AG verschmelzen und Lycos erwägt einen Verkauf.
AOL gab schon vor geraumer Zeit als erstes Unternehmen bekannt, sich von seinem deutschen Zugangsgeschäft zu trennen. Zu gerne hätte sich die Freenet AG diesen Happen geschnappt, der immerhin rund acht Prozent vom deutschen Breitbandmarkt ausmacht. In diesem Fall war die Telekom Italia jedoch schneller. Freenet-Vorstand Eckard Spoerr musste also auf eine weitere Gelegenheit warten. Die vorangegangene Fusion mit der Mutter Mobilcom war ein harter Kampf, aus dem das Unternehmen jedoch gestärkt und unter dem Namen Telunico hervorgegangen ist. Insgesamt mehr als 500 Millionen Euro liquider Mittel stehen Spoerr aus dieser Verschmelzung zu Verfügung, die gut angelegt sein wollen.
Nun hat das Unternehmen den Kaufvertrag für die Übernahme der B-2-C-Schmalband- und –Breitbandkundenverhältnisse der Tiscali unterzeichnet. Zum Jahresende 2006 zählte Tiscali rund 380.000 aktive Kunden in Deutschland. Ein Drittel davon sind Breitbandkunden. Der Vollzug steht derzeit noch unter der kartellrechtlichen Freigabe und wird im ersten Quartal dieses Jahres erwartet. Rund 30 Millionen Euro beträgt die Kaufsumme. Da bleibt noch etwas übrig, um sich nach weiteren Übernahmekandidaten umzusehen. Spoerr hat bereits Interesse am Konkurrenten Drillisch bekundet.
Tiscali will sich von allen deutschen Aktivitäten trennen und künftig auf den Heimatmarkt Italien und auf Großbritannien konzentrieren, wo ein größeres Wertschöpfungspotenzial erwartet wird. Kürzlich hat deshalb Ecotel für 18,5 Millionen Euro den deutschen Geschäftskundenbereich von Tiscali erworben. Der Kauf umfasste ebenfalls die Eingliederung des bisherigen Management-Teams. Das Unternehmen erhofft sich dadurch verbesserte Marktpräsenz, sowie Know-how im Bereich der professionellen Internet- und Datendienste. Insgesamt erwartet Ecotel nach dieser Akquisition für 2007 einen konsolidierten Umsatz von mehr als 100 Millionen Euro und ein EBIT von zehn Millionen Euro.
Bei QSC haben sich Vorstand und Aufsichtsrat dafür ausgesprochen, die Broadnet AG komplett in ihre Unternehmensgruppe zu integrieren. Derzeit hält QSC bereits rund 92 Prozent des Aktienkapitals an Broadnet. Zuvor hatte QSC zusammen mit Tele2 die Netzbetreibergesellschaft Plusnet gegründet, die nach Genehmigung des Kartellamtes im September 2006 an den Start ging. Plusnet soll das bisher 1.000 Hauptverteiler zählende bundesweite DSL-Netz bis Jahresende auf knapp 2.000 erweitern.
Wie schon zuvor von seinem schwedischen Zugangsgeschäft, erwägt Lycos sich jetzt auch von seinem deutschen Ableger zu trennen. Das Unternehmen will sich wieder mehr auf die Kerngeschäfte konzentrieren. Mittlerweile hat Lycos die Verhandlungen mit verschiedenen Parteien aufgenommen, die Interesse an einer Übernahme gezeigt haben. Ob die Freenet AG darunter ist, ist bisher unbekannt.
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