„Schlecht gemanagte Kulturunterschiede können bis zu 15 Prozent Margenverlust ausmachen“, ein Interview mit Dr. Christoph von Gamm

Die Wahrheit über Outsourcing - Konsolidierungswellen zu erwarten

| Autor / Redakteur: Lukas Kurtz / Ulrich Roderer

„Die Kultur Unterschiede zu verstehen und zu managen, das kann zwischen 10 und 15 Prozent Profit Marge bedeuten. “
„Die Kultur Unterschiede zu verstehen und zu managen, das kann zwischen 10 und 15 Prozent Profit Marge bedeuten. “

Die Evaluierung, welche Länder am besten geeignet sind für Outsourcing ist eine Wissenschaft. Kulturelle Faktoren, verfügbare Fachkräfte und Kosten müssen gegeneinander abgewogen werden.

Dr. Christoph von Gamm, CEO der Zürcher Beratungsgesellschaft vonGammCom Global verfügt über langjährige Erfahrungen im Outsourcing und ist Autor eines erst kürzlich publizierten Buchs mit dem Titel „Multi-national and intercultural services organisations and the integration in front of global clients“. Im Interview mit DataCenter-Insider weist er Perspektiven des Outsourcings auf.

SeachDataCenter: Was war die ursprüngliche Motivation für Unternehmen zum Outsourcing?

Christoph von Gamm: Die wichtigsten Faktoren sind Kostenpunkte sowie die Schwierigkeit, qualifiziertes Personal im eigenen Land schnell anzustellen. Ein Kunde beispielsweise benötigte etwa 400 Leute für Data Entry für Wertschriftenbereinigungen, die einfach nicht im lokalen Markt verfügbar waren. Fokus zu haben ist der dritte treibende Faktor: Im Endeffekt ist der Hauptpunkt, möchte ich mich die Zeit mit irgendwelchem Mist beschäftigen oder kann ich mich darum kümmern, wo die Kunden daherkommen?

Aus welchen primären Gründen wird heute ausgelagert?

Das Outsourcing wird weiter primär aus Kostengründen durchgeführt. Die erste Generation hat meistens hohe Anlaufkosten, auch wenn sich Kostenreduktion schon einstellt. Bei der zweiten Generation Outsourcing kann man noch effizienter werden. Second Generation Outsourcing, da sind die Leute irgendwann so was von entspannt und fokussieren noch mehr in Richtung Kosten. Ich kenne einige Fälle, wo ein Resourcing aus reinen Kostenaspekten durchgeführt wurde. Zweitens die Skill Shortage: sie ist noch grösser geworden, Also: Woher Mitarbeiter nehmen? Das heisst, die Pyramide wird natürlich nach unten enger und dadurch auch immer stärker verlagert.

Wie lassen sich Länder sich für Outsourcing-Möglichkeiten evaluieren?

Ich habe dazu eine Evaluationsmatrix entwickelt. Es existieren mehrere Faktoren für die Country Evaluationen: Social, Culture, Technology, Politics, Economics und Environments. Dazu gehören auch Populationsgrösse und dann Factor Conditions (das heisst beispielsweise Labor Cost of Purchase Power Parity). Es macht keinen Sinn aus kommerziellen Aspekten in Hochlohnländern outzusourcen, ausser der Lohn spielt nicht die Rolle, sondern Anforderungen wie Sicherheit, Skills, Aggregations-Möglichkeiten oder so etwas. Ganz wichtig sind die Kulturaspekte. Hier gibt es diverse Modelle, zum Beispiel es gibt das Hofstede-Modell und das Lewis-Modell das Kulturtypen unterscheidet. Hofstede hat das in den 70ern mit der IBM untersucht und hat da sehr viel Aufwand betrieben. Man muss aber sagen, inzwischen haben sich Länder kulturell verändert, also der Iran beispielsweise ist anders geworden als in den 70ern, genauso Osteuropa. Dann ist die Sprache wichtig, die Zeitzone aus praktischen Aspekten. Wenn sie eine Zeitzonen Differenz zu Europa von 12 Stunden haben wie zum Beispiel Australien, dann haben sie einfach Schwierigkeiten, da vernünftig outzusourcen, weil da die Leute nicht die ganze Nacht im Stollen arbeiten dürfen. Das macht es dann auch teuer. Dann die Zeitzone zur USA, das ist ja der andere wichtige Markt, das ist hier 9 Stunden. Deshalb ist Indien schon immer schwierig für die USA. Dann natürlich als Faktor – klar – viele IT Profesionals from Universities. Sie haben natürlich in Indien – und das muss man auch ganz nüchtern sagen – 3 Millionen Leute pro Jahr und davon kommen etwa 500.000 von Engineering Schools. Als nächstes Arbeitskosten. Und das kann man sich dann natürlich auch sauber über die ganzen Länder anschauen. Ich kam dann zum Schluss, dass Indien trotz aller Schwierigkeiten der Place-to-Be ist gefolgt von Osteuropa. Polen ist spannend – weil erstens große Bevölkerung usw. Das sind im Endeffekt so die Faktoren, die ich empfehle, anzuschauen.

weiter mit "Welche Faktoren gewinnen an Gewicht?"

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