Anforderungen der Digitalisierung

Die NTT-Töchter bündeln ihre Kräfte

| Autor: Michael Hase

Sie bilden einen Teil des NTT-Managements (v. l.): Rupprecht Rittweger (E-Shelter), Andreas Weingarten (Dimension Data), Kai Grunwitz (NTT Security) und Swen Rehders (NTT Data). Zur Familie gehören aber noch weitere Mitglieder.
Sie bilden einen Teil des NTT-Managements (v. l.): Rupprecht Rittweger (E-Shelter), Andreas Weingarten (Dimension Data), Kai Grunwitz (NTT Security) und Swen Rehders (NTT Data). Zur Familie gehören aber noch weitere Mitglieder. (Bild: Michael Hase)

Zur NTT-Gruppe gehören in Deutschland mehrere Dienstleister mit eigenständigem Profil. Die Digitalisierung, mit der sich Kundenanforderungen verändern, lässt sie im Tagesgeschäft enger zusammenarbeiten. Eine Querschnittsfunktion übernimmt dabei die Security-Sparte.

Digitale Geschäftsmodelle, so verschieden sie sein mögen, funktionieren nur unter einer Voraussetzung: Sie müssen hohe Sicherheitsstandards erfüllen. Ob intelligente Autos ihr Betriebssystem-Update aus der Cloud erhalten, weltweit verteilte Maschinen über das Internet gewartet werden oder Patienten vitale Funktionen per Telemedizin überprüfen lassen – die Infrastrukturen, die für solche Szenarien aufgebaut werden, sind durch die Vernetzung angreifbar. Schon bei der Konzeption der Modelle müssen sich die Betreiber daher mit den erforderlichen Security-Mechanismen befassen.

Damit verändert die Digitalisierung auch die Anforderungen, die an einen Dienstleister gestellt werden. „Unternehmen kommen heute zu uns und sagen: ‚Digitalisiert uns diesen Prozess, aber macht ihn zugleich sicher!‘“, berichtet Swen Rehders, CEO von NTT Data Deutschland. Der Systemintegrator ist laut den Marktforschern von Lünendonk hierzulande das sechstgrößte IT-Beratungshaus. „Wir positionieren uns als Transformations- und Innovationspartner unserer Kunden. Dafür brauchen wird auch Security-Kompetenz.“

Security aufgewertet

Auf die wachsende Bedeutung von IT-Sicherheit hat die NTT-Gruppe im vergangenen Sommer mit einer Neuorganisation reagiert. Der japanische ITK-Riese löste den Dienstleister NTT Security zum 1. August aus der Division NTT Com, zu der er bis dahin gehörte, und wertete die Einheit zur eigenen Konzernsparte auf. Dabei handelte es sich um mehr als eine bloße Verschiebung im Organigramm. Als Competence Center sollen die mehr als 1.500 Sicherheitsexperten primär den anderen Mitgliedern der Gruppe ihr Wissen und ihre Services zur Verfügung stellen. So übernahm NTT Security die Managed-Services-Plattformen von NTT Com und Dimension Data, um sie mit der eigenen Plattform zusammenzuführen.

Umgekehrt wechselten Sales-Leute von der neuen Sicherheitssparte zu den Schwestern. Damit das Profil als Dienstleister geschärft wird, fährt NTT Security das Handelsgeschäft sukzessive zurück. „Wir werden in Zukunft selbst nur noch sehr wenig Vertrieb haben“, kündigt Kai Grunwitz, Senior Vice President Central Europe bei NTT Security, an. Die Aufgabe der Vermarktung nehmen andere Einheiten wahr.

Die Umstrukturierung verändert auch das Geschäft in Deutschland. Seit einigen Monaten stimmt sich Grunwitz regelmäßig mit den Management-Kollegen der Schwestern Arkadin, Dimension Data, NTT Com oder NTT Data ab. Aber auch auf operativer Ebene finde in der Gruppe heute ein regerer Austausch als früher statt, berichtet der Manager.

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Alle Mitglieder würden in ihren Projekten, ob es um IT-Infrastruktur, ERP, CRM oder Unified Communications gehe, tagtäglich mit Herausforderungen rund um IT-Sicherheit konfrontiert. NTT Security unterstütze sie dabei. „Wenn wir unsere Beratungsleistungen und Managed Services allen anderen bereitstellen, müssen wir die Kompetenz für IT-Sicherheit in der Gruppe nicht redundant aufbauen.“ Beispielsweise befasst sich NTT Security intensiv mit dem Schutz von SAP-Systemen. Davon profitiert die NTT-Data-Tochter Itelligence, ein SAP-Beratungshaus aus Bielefeld. Durch die enge Zusammenarbeit in der Gruppe „können wir unseren Kunden ganzheitliche Lösungen aus einer Hand liefern und so die Digitalisierung bei ihnen sicher gestalten“, resümiert Grunwitz.

Eine spezielle Aufgabenteilung gibt es mit der Schwester Dimension Data, die traditionell im Security-Geschäft tätig ist und das weiter bleibt. Während sich das Systemhaus primär dem Aufbau von Security-Infrastrukturen widmet, wozu etwa die Implementierung von Gateways gehört, liegt der Schwerpunkt von NTT Security auf Beratung und der Bereitstellung von Managed Services (siehe „Ergänzendes zum Thema“). Für Andreas Weingarten, General Manager Sales bei Dimension Data, steht der Mehrwert des Arrangements außer Frage: „Gemeinsam mit NTT Security sind wir jetzt in der Lage, unseren Kunden hochwertige Consulting-Leistungen wie Beratung zu Governance, Risk & Compliance oder Penetration Testing anzubieten, was wir zuvor in der Form nicht getan haben.“

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Modifizierte Strategie

Die neue Rolle von NTT Security ergibt sich letztlich aus einer veränderten Konzernstrategie. Agierten die NTT-Unternehmen in der Vergangenheit jeweils für sich, ohne dass es operativ große Berührungspunkte gegeben hätte, so ist seit zwei, drei Jahren in der Gruppe das Bestreben zu beobachten, das Geschäft enger miteinander zu verzahnen. Die zunehmende Bedeutung von IT-Sicherheit bei den Kunden ist zweifellos ein Treiber dieser Entwicklung, aber nicht der einzige.

Die digitale Transformation stellt generell vieles in Frage, was in der IT noch vor wenigen Jahren als selbstverständlich galt. So lagern beispielsweise Unternehmen im Zuge ihrer Cloud-Strategie mittlerweile On-Premises-Installationen, die bisher im Campus-Rechenzentrum ihren festen Ort hatten, zu Colocation-Anbietern aus. Damit gewinnt das Housing-Modell, das ursprünglich von Internet-Unternehmen, inzwischen aber auch von Managed Service Providern ebenso wie von Hyperscalern genutzt wird, weiter an Zulauf.

Auf diesen Trend hat NTT vor etwa zwei Jahren mit einem größeren Zukauf in Deutschland reagiert. Der ITK-Konzern, der in Asien damals bereits zu den größten Colocation-Anbietern zählte, übernahm im Juni 2015 den deutschen Marktführer E-Shelter (angekündigt wurde der Deal bereits im März). Mit einer Fläche von 65.000 Quadratmetern allein in Frankfurt / Main ist das Unternehmen, das weitere Standorte in Berlin, Hamburg, München, Wien und Zürich unterhält, der größte Rechenzentrumsbetreiber in der Mainmetropole. Weltweit liegt NTT im Colocation-Markt laut Synergy Reserach auf Rang drei hinter Equinix und Digital Realty.

Hybride Szenarien

Insbesondere in Deutschland ist E-Shelter ein klarer Zugewinn für die Gruppe, weil sie damit ihr Leistungsspektrum um essenzielle Services erweitert. Große Colocation-Anbieter stellen nicht nur Gebäude, Strom und Kühlung bereit. Über zahlreiche Carrier-Netze sorgen sie auch für eine Vielfalt an Connectivity-Optionen, und sie bieten Kunden einen direkten Zugang zu den Hyperscalern. Bei der Umsetzung hybrider Szenarien verlagern Unternehmen deshalb Teile ihrer IT zu einem Colocation Provider, weil sich dort Private und Public Cloud sicher und mit geringer Latenz verbinden lassen. „Cloud und Colocation sind natürliche Verbündete“, schrieben die Analysten von Gartner vor einiger Zeit.

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Auch bei E-Shelter liegt – ähnlich wie bei NTT Security – der Fokus nicht auf dem Vertrieb. „Es ergibt für uns keinen Sinn, dass wir selbst den schwäbischen Schraubenfabrikanten oder den niederbayrischen Automobilzulieferer adressieren“, erläutert Rupprecht Rittweger, Gründer und Geschäftsführer von E-Shelter. Solche Kunden erreiche der Datacenter-Spezialist einfacher über seine Schwestern.

Ohnehin gehe bei Unternehmen der Trend dahin, dass sie Colocation-Leistungen nicht isoliert, sondern im Rahmen eines größeren Dienstleistungspakets einkaufen. „Sie wollen nicht mehr verschiedene Einzelverträge abschließen“, beobachtet Rittweger. „Ihnen geht es um Infrastruktur, die sie möglichst ganzheitlich beziehen wollen.“ Generell verändere sich in der IT-Branche das Einkaufsverhalten, berichten auch die anderen NTT-Vertreter. Die Kunden tendierten zu größeren Paketen.

Neue Rolle der IT

Den Grund dafür sehen die Experten darin, dass sich mit der Digitalisierung die Rolle der IT-Verantwortlichen wandelt. Sei es früher Aufgabe des CIOs gewesen, für einen effizienten und reibungslosen IT-Betrieb zu sorgen, so werde heute von ihm erwartet, dass er bei der Konzeption und Umsetzung digitaler Geschäftsmodelle mitwirke, führt NTT-Data-Chef Rehders aus. „Er muss in seinem Unternehmen zum akzeptierten Gesprächspartner der Business-Entscheider werden.“ Andernfalls verliere er an Bedeutung und ihm werde ein Chief Digital Officer (CDO) vor die Nase gesetzt. Die veränderte Situation zwinge den CIO dazu, mehr Aufgaben im Betrieb auszulagern und Dienstleistungen in größeren Blöcken einzukaufen. Nur so könne sich der IT-Chef auf seine neue Rolle konzentrieren.

Für diesen Bedarf sei die NTT-Gruppe, die mit ihrem Portfolio den IT-Stack von der Gebäude-Infrastruktur über Systeme und Applikationen bis zur Security abdecke, inzwischen gut positioniert, fasst Dimension-Data-Manager Weingarten zusammen. „Als Gruppe nehmen wir bei Kunden die Komplexität im Betrieb soweit heraus, dass sich der CIO auf seine Innovationsthemen fokussieren kann.“ Damit die Strategie aufgeht, müssen die NTT-Unternehmen freilich als Einheit wahrgenommen werden. Daran arbeiten die vier Manager, wie sie übereinstimmend betonen. Gemeinsam wollen sie den „One NTT“-Ansatz künftig weiter vorantreiben.

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