Die Stimme aus dem Handel

Die Kreativ-Messe „Maker Faire“ zeigt: „Es gibt noch Hoffnung“

| Autor / Redakteur: IT-BUSINESS / Achim Heisler / Sarah Maier

Auf der Maker Fair fand Achim Heisler seine Hoffnung wieder.
Auf der Maker Fair fand Achim Heisler seine Hoffnung wieder. (Bild: VBM-Archiv)

Achim Heisler, für die IT-BUSINESS-Redaktion die Stimme aus dem Handel, ist über die Maker Faire in Hannover gelaufen. Was er dort sah, hatte Zukunftspotenzial und sollte die großen Hersteller, wie Microsoft oder Amazon besser das Fürchten lehren.

Seit einiger Zeit habe ich den Verdacht, dass wir in eine Welt voller Hoffnungslosigkeit versinken. Eine Welt, die durch die Big Player (Google, Apple, MS, Amazon) bestimmt und begrenzt wird, droht uns die Luft zu nehmen. Diese Firmen versuchen uns (oftmals) Pseudoinnovationen zu verkaufen, und massenmarkttaugliche Technologie funktioniert dann nur noch über hohen Marketing-Aufwand und stromlinienförmige Zielgruppenkonformität der Produkte. Wenn dann gar nichts mehr geht, beginnen die Großen einen ruinösen Preiskampf.

Doch dann habe ich ein schwaches Lichtlein in der Dunkelheit entdeckt, welches einen möglichen Ausweg aus einer vercloudeten, standardisierten Welt bedeuten kann. Ich habe aus strategischem Interesse die Maker Faire in Hannover besucht und wurde dort äußerst positiv überrascht. Wir alle kämpfen damit, dass die Einstiegshürden im professionellen Bereich immer höher werden. In den letzten Jahren hat die zunehmende Abstraktion und Komplexität viele Ideen schon im Keim erstickt. Hier liegen die Möglichkeiten der Maker-Szene, denn dort wird die IT wieder geerdet und bietet innovativen Köpfen ein Sammelbecken.

Vergangenheitsglorifizierung

Achim Heisler, Geschäftsführer von A-H-S Computer
Achim Heisler, Geschäftsführer von A-H-S Computer (Bild: VBM-Archiv)

Wer auf der Messe war und schon ein paar Jahre in unserer Branche auf dem Buckel hat, der fühlte sich wie auf den Amiga-Messen Ende der 80er Jahre. Dies war fast wie die Wiedergeburt einer Welt, die ich schon verloren geglaubt hatte. Weit weg vom kommerziellen Erfolgsdruck, konnte man in der unklimatisierten Halle, umzingelt von schwitzenden Computernerds, den Geist unserer eigenen Jugend wieder spüren. Jetzt kann man natürlich sagen, ich war dort auf einem Nostalgietrip und habe, wie ein paar Rentner im Altersheim, dort meiner glorreichen Vergangenheit nachgehangen. Ich kann einen kleinen Anflug von Vergangenheitsglorifizierung nicht verleugnen, aber viel wichtiger sind wohl die Schlüsse, die ich für die Zukunft daraus ziehe. Ich werde im Folgenden ein paar Punkte herausgreifen, die mich optimistisch stimmen.

Unsere Branche sucht händeringend nach Talenten. In der Maker-Szene sollten sich die teuer bezahlten Personaler einmal umschauen. Denn dort gibt es sie, die potenziellen Mitarbeiter mit hoher Eigenmotivation und der unbändigen Neugier. Ich gebe zu, dass es natürlich in den meisten Fällen nicht die fertigen Mitarbeiter sind, die ich morgen in das nächste Projekt stecken kann. Aber wenn ich mir die Mühe mache ein paar Jahre in die Talente zu investieren, dann kann ich hier den einen oder anderen Edelstein finden. Hier muss unsere Branche endlich wieder lernen, dass Fachkräfte nicht in Genlabors gezüchtet werden.

Wenn ich von den Altvorderen das Internet der Dinge zum x-ten Male verkündet bekomme, dann beginnen sich meine Magenwände ganz unnatürlich zu bewegen. Es ist fast so wie der seit 20 Jahren auf der IT-Messe CeBit präsentierte selbstbestellende Kühlschrank, dar sicherlich bald marktreif ist. Leider habe ich ihn noch nie in Funktion gesehen. Ganz im Gegensatz gab es auf der Messe vor allem Dinge, die praktisch funktionierten. Das hier keine professionelle Industriemaßstabe angelegt werden können, sollte jedem klar sein. Aber wenn jemand das Internet der Dinge mit all seinen Sensoren und Akteuren sehen möchte, war er hier näher an der Realität als auf der CeBit. So sollten sicherlich auch die Anbieter aus dem Bereich der Hausautomation mal einen Blick in die Maker-Szene werfen.

Ergänzendes zum Thema
 
Erste deutsche Maker Faire

Wie bei dem Kühlschrank warten wir seit einer gefühlten Ewigkeit auf den Durchbruch in diesem Sektor. Aber eine oftmals mutige Preisgestaltung, gepaart mit garantiert nicht kompatiblen Standards, lässt auch dieses Geschäftsfeld in einem Dornröschenschlaf verharren. Die Bastelprodukte der Maker sind kein fertiges Massenprodukt, zeigen aber auf, was Innovation und Tatkraft schaffen können.

Inhalt des Artikels:

  • Seite 1: Die Kreativ-Messe „Maker Faire“ zeigt: „Es gibt noch Hoffnung“
  • Seite 2: Besuch mit Ballmer

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