Ein Kommentar zur „Content-Management“-Politik auf iPad, iPhone und Co.

Der Sündenfall begann mit einem Apple

09.06.2010 | Autor / Redakteur: Achim Heisler, Geschäftsführer des Systemhauses A-H-S / Regina Böckle

Achim Heisler ist Geschäftsführer des Düsseldorfer Systemhauses A-H-S.
Achim Heisler ist Geschäftsführer des Düsseldorfer Systemhauses A-H-S.

Apple zensiert die Inhalte, die über iPad & Co. veröffentlicht werden, und Springer-Chef Mathias Döpfner erklärt im Interview, die Verlagswelt müsse Big Apple als Retter in der Not täglich danken. Was ist los im Paradies des bislang freien Meinungsaustauschs im Internet? Eine Analyse.

Man möge mir das Abdriften in die religiöse Ecke verzeihen, aber als ich in einer Zeitschrift eine Zeichnung aus dem Mittelalter mit einem Apfel in seiner uns wohlbekannten Form sah, stellte ich sofort die Verbindung zu Apple her.

Dieser Artikel ist dann auch so etwas wie der Nachfolger zu „Divide et impera: Die Konkurrenz ebnet Apple den Weg“ aus strategischer Sicht.

Wie wir ja alle von HP nun erfahren konnten, will man WebOS ja gar nicht für Smartphones einsetzen. Da hat sich ein potenzieller Gegner für Apple schon selbst aus dem Rennen genommen.

iPhone: Die Vertreibung aus dem Paradies

Doch wie komme ich darauf, das Apple in der Lage sein wird, uns aus dem „Paradies“ Internet zu vertreiben? Dafür definiere ich das Internet als Hort der Meinungsfreiheit und –vielfalt. Dabei ist mir durchaus bewusst, dass dies nicht nur Sonnenseiten hat. In meinem letzten Artikel hatte ich als Beispiel nur Apples Testballon mit Adobe Flash genannt – schon beginnen in Amerika Website-Betreiber ihre Auftritte umzustellen, beziehungsweise eine Alternativ-Site zu schaffen um iPhone- und iPad-User nicht auszuschließen.

Und in der Presse laufen von beiden Seiten massive Verbalgefechte um die Vor- und Nachteile der einzelnen Lösungen. Gewinnt Apple diesen Kampf, bestimmt der Konzern wesentliche Eckpunkte der künftigen Software-Basis dieser Geräte. Das allein wäre noch nicht problematisch.

Angriff auf die Meinungsfreiheit

Aber Apple greift gleichzeitig noch an der Content-Front an. Oder kennen Sie jemand, der den Bild-Herausgeber Springer dazu gebracht hätte, seine leicht bekleideten Frauen zu zensieren?

Für die Möglichkeit aber, mit Content Geld zu verdienen, unterwirft sich der Springer-Verlag hier sang- und klanglos einer ausländischen Moralvorstellung. Auch wenn diese Art der Zensur noch keine wirklichen demokratischen Grundfesten unserer Gesellschaft betrifft, so ist es doch ein großer Schritt in die falsche Richtung.

(Anm. der Redaktion: Apple behält sich vor, den über Apple-Geräte veröffentlichten Content der hauseigenen Firmenphilosophie anzupassen, wie unter anderem Recherchen des NDR ergaben. Dazu gehört auch, dass die Titel-Girls von Bild beispielsweise nicht barbusig gezeigt werden. Springer-Chef Mathias Döpfner empfahl Verlegern kürzlich im TV-Interview mit dem US-amerikanischen Journalisten Charly Rose, Apple als dem Retter des Verlagswesen täglich mit einem Gebet zu danken.)

Bis zum heutigen Tage ist es noch keinem Hersteller gelungen, über Internetinhalte so viel Macht zu gewinnen. Denn die Content-Lieferanten sind ja keine kleinen Fische, denen man ohne weiteres sagt, was sie zu drucken haben. Und wenn die Entwicklung weiter in Richtung „Big Apple“ läuft, dann werden auch Ausweich-Reaktionen immer schwieriger (so wie heute mit einer wirklichen Alternative zu Microsoft Office).

Was passiert, wenn Apple nach den Wolken greifen sollte, lesen Sie auf der nächsten Seite.

Inhalt des Artikels:

Kommentare werden geladen....

Sie wollen diesen Beitrag kommentieren? Schreiben Sie uns hier

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 2045407 / Aktuelles & Hintergründe)