Struktur und Führungsriege stehen

Der Blueprint für die neue Tech Data

| Autor: Michael Hase

Die Integration von TD Azlan und Avnet TS hat auf der Management-Ebene begonnen.
Die Integration von TD Azlan und Avnet TS hat auf der Management-Ebene begonnen. (Bild: © vege - Fotolia.com)

Die eigentliche Integration von Avnet TS in Tech Data steht zwar noch bevor. Schon jetzt hat das deutsche Management aber Struktur und Führungspersonal der neuen Value-Sparte bestimmt. Das Mehrwertgeschäft trägt bei dem Distributor inzwischen mehr als 50 Prozent zum Umsatz bei.

Der Kauf von Avnet TS, der den Broadliner Tech Data rund 2,6 Milliarden Dollar gekostet hat, ist eine der größten Akquisitionen in der Geschichte der Distribution. Nachdem die Übernahme des VADs am 27. Februar formal abgeschlossen war, hat mittlerweile die Integration in den Ländern begonnen. Die ersten Schritte, die in Deutschland und Österreich unternommen wurden, betreffen die Struktur und die Führungsebene.

So hat Tech-Data-Managerin Barbara Koch, die hierzulande an der Spitze der VAD-Sparte TD Azlan steht, auch die Leitung der Technology Solutions übernommen. Unter diesem Namen läuft das Geschäft von Avnet TS vorläufig weiter. Inzwischen hat Koch für TD Azlan und Technology Solutions eine gemeinsame Struktur festgelegt, die eine Gliederung in neun Business Units vorsieht. Und sie hat die verantwortlichen Manager für diese Units bestimmt (siehe „Ergänzendes zum Thema“).

Ergänzendes zum Thema
 
Barbara Koch hat ihr Team beisammen

Die Integration hat damit allerdings erst begonnen. Bis die beiden Unternehmen zu einer Einheit geworden sind, wird noch einige Zeit vergehen, wie Michael Dressen, Regional Managing Director bei Tech Data für Deutschland und Österreich, mitteilt. „Nach wie vor gilt ‚Business as usual‘. Und das wird auch noch eine Weile so bleiben.“ Demnach sollen die IT-Systeme von Avnet TS und TD Azlan erst im Frühjahr 2018 zusammengeführt werden. Auch die Vereinigung der juristischen Einheiten ist erst für das kommende Jahr geplant.

Die Tech-Data-Geschäftsführer Barbara Koch und Michael Dressen richten das Value-Geschäft auf Zukunftsthemen aus.
Die Tech-Data-Geschäftsführer Barbara Koch und Michael Dressen richten das Value-Geschäft auf Zukunftsthemen aus. (Bild: Vogel IT-Medien)

Unter welchem Namen Tech Data das Value-Geschäft nach der endgültigen Verschmelzung von TD Azlan und Technology Solutions betreiben wird, ist bislang noch offen. Der Distributor befragt dazu sowohl seine Kunden als auch seine Mitarbeiter und lässt sich von einer Agentur beraten. Für den Geschäftsbereich könnte also eine neue Marke geschaffen werden. Ebenso gut möglich ist aber auch, dass es bei TD Azlan bleibt.

Fokus auf Next Generation Technologies

Deutlich klarer zeichnet sich dagegen bereits die Strategie des Super-VADs ab, zu dessen Portfolio nahezu alle namhaften Infrastruktur-Anbieter wie Brocade, Cisco, Dell EMC, HPE, IBM, Juniper, Microsoft, NetApp, Oracle und VMware zählen. Im Fokus stehen für Koch und ihr Team allerdings Cloud, IoT / Analytics, Mobility und Security. „Die Next Generation Technologies sind der Wachstumsmotor für den gesamten Bereich“, betont die Geschäftsführerin.

Diesen Themen werden sich insbesondere die Einheiten „Security & Mobility“ und „Next Generation Technologies“ – letztere zuständig für Cloud, IoT / Analytics sowie Training, Education und Services – widmen. Bei beiden Einheiten sprechen die Tech-Data-Manager nicht von BUs, sondern von Solution Business Practices. „Dort stehen weniger Produkte als die Lösung und der Service-Gedanke im Vordergrund“, erläutert Koch. Auch in den Hersteller-Units werden nach ihrer Überzeugung die Next Generation Technologies das Geschäft maßgeblich vorantreiben. Denn diese Themen seien „auch für Cisco oder IBM eminent wichtig“.

Ergänzendes zum Thema
 
Distributor mit drei Divisionen

Sowohl TD Azlan als auch Avnet TS hatten, bevor die Akquisition im September 2016 angekündigt wurde, unabhängig voneinander mit dem Aufbau dedizierter Units für diese Zukunftsthemen begonnen. Antrieb dafür war bei beiden Unternehmen die Beobachtung, dass sich der IT-Markt gravierend verändert und der Distribution über die Zeit ihr klassisches Kerngeschäft wegzubrechen droht. Offenbar reifte in den obersten Führungsetagen von Tech Data und Avnet, die dem Vernehmen nach seit Mitte 2015 im Gespräch waren, die Einschätzung, dass Größe bei der Bewältigung des Wandels von Vorteil sein könnte.

Die Spitzen der beiden Konzerne hätten „eine sehr intelligente Entscheidung getroffen“, bekräftigt Dressen. „Denn der Druck, in die neuen Bereiche zu investieren, ist extrem groß.“ Letztlich sei ein großes Unternehmen eher dazu in der Lage, die erforderlichen Investitionen zu leisten. Hinzu komme, dass die Distribution bei Cloud, IoT / Analytics oder Security einen wesentlich höheren Anteil an Services erbringen müsse als im traditionellen Geschäft. Darüber hinaus seien Lösungen in diesen Technologiefeldern komplex, ergänzt Koch. „Oft benötigt man dafür Produkte mehrerer Hersteller und muss das Knowhow unterschiedlicher Experten zusammenbringen. Dabei hilft eine gewisse Größe.“ In Deutschland und Österreich kommt Tech Data nach der Übernahme von Avnet TS auf mehr als 400 Mitarbeiter im Value-Segment.

Schwindende Innovationskraft

Mit dem Merger schreitet die Konsolidierung in der Distribution weiter voran. Dressen sieht darin eine Folge der Stagnation im IT-Markt, die ebenso Hersteller wie Fachhändler betrifft: „Die Innovationskraft der IT-Industrie nimmt ab. Deswegen kommt es zu einer Konsolidierung, die absolut notwendig ist.“ Daraus zieht der Tech-Data-Geschäftsführer eine Konsequenz für den Distributor: „Den Teil des Geschäfts, der zurückgeht, müssen wir gut organisieren. Dort müssen wir die Produktivität erhöhen, damit wir in die neuen Bereiche investieren können.“

Dressen zufolge werden Produktgeschäft und Logistik zwar auch in fünf Jahren noch eine große Rolle bei Tech Data spielen. Cloud, IoT / Analytics und Security müssten dann aber „eine materielle Bedeutung für uns“ haben, führt der Manager aus. Wenn es dem Distributor bis dahin nicht gelinge, „15 oder 20 Prozent des Umsatzes in diesen Bereichen zu erzielen, dann laufen wir Gefahr, dass es uns in zehn bis 15 Jahren nicht mehr gibt“. Auch in Zukunft würden noch Pakete von A nach B verschickt werden. Der Deckungsbeitrag, den man damit erwirtschafte, werde „aber so gering sein, dass man davon allein nicht leben kann.“

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