Unsere Stimme aus dem Channel

Big Data in Small Business

| Autor / Redakteur: Achim Heisler / Marisa-Solvejg Metzger

Welche Anforderungen ergeben sich in der nahen und ferneren Zukunft für den Logistiker 4.0?
Welche Anforderungen ergeben sich in der nahen und ferneren Zukunft für den Logistiker 4.0? (Bild: © Oleksiy Mark - Fotolia)

Achim Heisler, unsere Stimme aus dem Channel, hat sich mit den Herausforderungen auseinandergesetzt, die im Zuge der Digitalisierung auf die Logistik zukommen werden. Diese beschreibt er beispielhaft an dem Transportdienstleisters Roadrunner.

Wenn wir von Big Data, Digitalisierung und Industrie 4.0 sprechen, haben wir sehr oft nur die Enterprise-Kunden im Fokus. Dabei sind die Themen direkt oder indirekt auch bei den KMU angekommen, wenn sie sich in einem Zuliefer- beziehungsweise Dienstleisterumfeld für Großkunden befinden. Anhand des Kurier- und Transportdienstleisters Roadrunner möchte ich dies darstellen. Die klassische Welt der Logistik befindet sich in einem radikalen Umbruch. Die Welt der Rollkarten und Disponenten vor ihren Schiebetafeln muss sich neuen Herausforderungen stellen. Diese werden ganz klar durch die Kunden und die Umwelt definiert. Wenn sie als Dienstleister mit großen Kunden heute ins Geschäft kommen wollen, werden sie mit einem Pflichtenheft konfrontiert, worin sich oftmals auch die Anbindung und das Reporting für (Big)-Data-Systeme des Kunden befinden. Die Veränderungen in der Umwelt sind durch höhere Verkehrsdichte, Umweltauflagen und Spritkosten definiert. Diesen Anforderungen muss sich ein Logistikdienstleister stellen. Die Firma Roadrunner hat dies frühzeitig erkannt. Dazu sind in letzter Konsequenz eine kontinuierliche Anpassung der internen Prozesse und der Anbindung von externen Datenquellen nötig.

Erfolgreiche Kundengewinnung

Welche Prozesse bestimmen aktuell die erfolgreiche Kundengewinnung durch Roadrunner? Der Kunde wünscht alle bekannten Vorzüge des E-Commerce zur Entscheidung für den perfekten Transportdienstleister und die Transportart. Er fordert aufgearbeitete Informationen der möglichen Transportlösungen mit Versanddauer, Versicherungsleistungen, Kundenbewertungen, Kosten und immer öfter auch voraussichtlichen Fahrzeugemissionen im direkten Vergleich für die einfache Dienstleisterauswahl. Proaktive Informationen wie Avis und Änderungsmeldungen haben damit ein wesentlich kleineres Zeitfenster. Dies reicht in einigen Fällen aber schon nicht mehr aus. Mit Auftragserteilung möchte sich der Kunde selbstständig und zeitunabhängig über den aktuellen Stand des Transports informieren, besonders auch beim Einsatz von Ersatzfahrzeugen. Informationen über den Standort und die Auslastung des Fahrzeuges sollen allzeit zur Verfügung stehen, damit frühzeitig auf Veränderungen reagiert und die Realisierbarkeit von Routenänderungen abgeschätzt werden kann. Leer- und weite Anfahrten sollen besonders im Nahverkehr der Vergangenheit angehören, wenn adäquate Fremdkapazitäten zur freien, wirtschaftlicheren und umweltbewussteren Verfügung stehen.

Die interne IT

Neben den Geschäftsprozessen ist natürlich eine kontinuierliche Anpassung der internen IT an die neuen Gegebenheiten nötig. Das Kernprogramm der Firma sollte bei allem Wandel erhalten bleiben, da es sich um eine stark an die Prozesse von Roadrunner angepasste Applikation handelt. Die Herausforderung bestand darin, die alte Welt mit der neuen zu verknüpfen. Dies wurde in beide Richtungen über separate Middleware realisiert. Ein System bearbeitet den bidirektionalen Datenverkehr zum SAP-SCM-System des Kunden. Diese Daten sind dort Zulieferer für die Logistik- und Reportingkomponenten. Das zweite System steuert sowohl die Scanner als auch die Datenaufnahme. Dieses System wurde in der aktuellen Ausbaustufe um das angepasste Gots-System der Firma Ibes erweitert. Die einzelnen Fahrzeugressourcen sind nun mit Daten zu Beladung, Ziel, Routenoptimierung versehen und lassen sich über die Disposition in Echtzeit steuern.

Anforderung für die Logistik 4.0

Welche Anforderungen ergeben sich in der nahen und ferneren Zukunft für den Logistiker 4.0? Bei aller Automatisierung ist der Logistikbereich immer noch von manueller Tätigkeit (Scannen, Verladen, Transportvorgang) geprägt. Deshalb werden in dem Bereich weitere disruptive Veränderungen durch Automatisierung und Big Data erfolgen. Big Data wird die Grundlage für eine intelligente Kommunikation liefern. Die situativ richtige Reaktion eines Laderoboters oder autonomen LKWs kann nur in einer aus Big Data Quellen gespeisten KI funktionieren. Dabei wird dies weit über die oft eindimensionale Verknüpfung von Quelldaten hinausgehen müssen, welches uns heute als Big Data verkauft wird. Aber in der realen Welt haben die Produkte (IT, Automotive) auch heute schon eine sehr komplexe Lieferkette und auch die Ansprüche an das SCM in einer digitalisierten Umgebung steigen immens. Mit der Vielzahl der Prozesse steigt natürlich auch die Datenmenge, die es zu managen gilt. Big Data kann helfen, die Komplexität und Multi-Dimensionalität der Daten für den menschlichen Verstand zu konsolidieren.

Zugriff auf Datenquellen

Eine Herausforderung für die Zukunft im Bereich Big Data ist der Zugriff auf die Datenquellen und der Normierung. Durch lückenhafte, falsche oder ganz fehlende Daten ist die Qualität der Prozesse massiv gefährdet. (Shit in <> Shit out). Leider werden diese grundlegenden Faktoren von den Beratungskollegen aus den Strategieabteilungen oftmals ignoriert. Weiterhin sind gerade im Bereich Big Data Konflikte mit dem Datenschutz und der Sicherheit vorprogrammiert. Somit brauchen wir auch gesetzliche Grundlagen für den Datenaustausch auf Sensor- oder Maschinenebene. Dass die Sicherheit ein wichtiger Punkt ist, erleben aktuell die Opfer des Locky-Trojaners. Stellen wir uns in der Zukunft einen solchen Schädling in einer voll digitalisierten Prozesskette vor. Die Sicherheit muss eben auch bei allen Beteiligten (ob Big oder Small Business) über alle Prozessschritte gewährleistet bleiben. Dies führt in der fernen Zukunft zu einem Wandel im Rollenverständnis der Logistik. Der Logistiker von heute wandelt sich in Richtung SCM as a Service und wird so noch enger in die Prozesskette der Kunden eingebunden. Ob dies noch von Menschen durchgeführt wird, werden uns die Entwicklungen in den nächsten zehn bis 20 Jahren dann zeigen.

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