10.000 Quadratmeter Gebäudefläche bieten Platz für 100.0000 Server

1&1 macht aus Atomfabrik grünes Rechenzentrum

10.11.2008 | Redakteur: Sarah Maier

Robert Hoffmann, Vorstandssprecher der 1&1 Internet AG

Die 1&1 Internet AG hat für das neues Rechenzentrum einen ungewöhnlichen Standort gefunden: das Gebäude der Hanauer Brennelementefabrik »Neue Mox«. Dieses wird künftig mit Strom aus regenerativen Quellen gespeist.

Auf dem Gelände des Siemens Technopark Hanau steht ein großes, graues Gebäude mit dicken Mauern, genannt »Neue Mox«. Hier sollten Brennelemente für Atomkraftwerke hergestellt werden, das Werk ging jedoch nie in Betrieb. Nun hat Internetprovider 1&1 das Anwesen gekauft, um sein Rechenzentrum dort zu erbauen.

»Den Standort Hanau haben wir bewusst gewählt, um die Betriebssicherheit für unsere Internet-Services weiter zu erhöhen«, erklärt Robert Hoffmann, Vorstandssprecher der 1&1 Internet AG. »Durch die räumliche Distanz zu unseren bisherigen Rechenzentren im Großraum Karlsruhe können wir selbst im Katastrophenfall die Erreichbarkeit unserer Dienste sicherstellen.«

Die 10.000 Quadratmetern Gebäudefläche bieten Platz für 100.000 Server. Vorrangig soll es sich dabei um Dedicated Server handeln, also Server, die jeweils einem Geschäftskunden zugeordnet sind. Auch für Dienste wie Software as a Service und Cloud Computing werden ausreichend Reserven bereitgehalten.

»Dass aus der einstmals so umstrittenen Atomfabrik jetzt ein ‚grünes‘ Rechenzentrum wird, ist natürlich ein schöner Nebeneffekt«, findet Hoffmann. »Selbstverständlich benötigen Internet-Rechner Strom, der aber bei 1&1 ausschließlich aus regenerativen Quellen kommt. Zudem gilt dem Energie sparen unsere größte Aufmerksamkeit – schon alleine weil die Stromrechnung für uns einen Großteil der Betriebskosten ausmacht.«

Auf dem Grundstück ist genügend Platz, um einen Energie sparenden Freikühler aufzustellen, der die Außentemperatur zur Kühlung der Server nutzt und somit den Stromverbrauch drosselt. Bei den Servern selbst wird zudem auf Komponenten mit niedrigem Stromverbrauch geachtet. Der Betrieb wird voraussichtlich Ende 2009 aufgenommen.

Ein Gebäude mit Vergangenheit

Siemens begann den Bau der »Neue Mox« Ende der 80er Jahre. Hier sollten Mischoxid-Brennstäbe aus angereichertem Uran und Plutonium produziert werden. Deshalb auch die dicken Mauern als Schutzmaßnahme. In Betrieb ging die Anlage allerdings nie und so entschloss sich Siemens 1995 dazu, das Werk aufzugeben. Vor zwei Jahren wurde schließlich der Gebäudekomplex endgültig aus dem Regelungsbereich des Atomgesetzes entlassen, eine wichtige Vorraussetzung für das Engagement von 1&1. Zuvor hätte nämlich auch das Rechenzentrum nach den nuklearen Sicherheitsstandards gebaut werden müssen.

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